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2 (1894) Charakteristiken
Entstehung
Seite
326
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Prosa geschenkt, die wohl noch bei deren Lesern in leben-digem Andenken stehen, soUeber Höflichkeit" (IX. Jahr-gang, 9. Hest),Der Kampf gegen die Fremdwörter" (XII.Jahrgang, 10. Heft),Aus einer neuen DanteübcrsetznngGraf Guido uud Papst Bonifaz" (XIV. Jahrg., 5. Heft).Und wie viel anderes hat er ohne Namen versteckt zurZeit seiner Redaktion und seitdem an Stellen, wo es wedergesucht noch gefunden wird.

Dies ist ein rührender Zug, den ich an manchem derbesten deutscheu Köpfe zu beobachten Gelegenheit hatte,vielleicht mehr an denen der Vergangenheit als an denender Gegenwart. Es kommt ihnen nur darauf au, etwasdurchzudenken und zu Papier zu bringen. Ist's einmalaus dem Kopf heraus, so ist's gut. Aufs Uebrige kommt'snicht an. Dieser Art war z. B. auch der verstorbene OttoMichaelis , einer der feinsten Analytiker und Stilisten in-sonderheit auf wirtschaftlichem Gebiet. Jahr aus Jahrein schrieb er über die zur Verhandlung des Tages stehen-den Fragen die köstlichsten Abhandlungen, bald länger,bald kürzer, aber immer ohne Namen und in Organen,die nur ganz engen Kreisen zuganglich waren, oft für einkleines Provinzialblatt, wo Niemand dergleichen suchte.Spurlos ging's vorüber. Aber er war zufrieden, er hattesich sein Sprüchlein ausgedacht und es heimlich irgendwoversteckt.

Lebte und schriebe Gildemeister in Frankreich , so wäreer ohne Zweifel Mitglied der Akademie, und die BerlinerAbonnentinnen desFigaro" wüßten wahrscheinlich mehrvon ihm, als sie jetzt wissen. Das ist weder für ihn, nochfür sie, noch für deutsche Zustände ein Unglück. Es hatdoch auch sehr sein Gutes, daß die Versuchung, andersals aus Liebe zur Sache zu arbeiten, in so dürftiger Gestaltumgeht, und daß so viel Gutes ganz oder halb verborgen