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Schönsten der Gattung, Und das begreift sich. So vielWissen, so viel feinste Beobachtung, so viel praktische Er-fahrung, so viel Freude am Erkennen und dabei solche Lustan der künstlerischen Behandlung des Ausdrucks, das schießtvon Natur zu einer Prosa zusammen, mit der sich aufdeutschem Boden wenige messen können. Den Lesern der„Nation" braucht man das nicht zu beweisen. Die meistenvon ihnen wissen wohl längst, daß Otto Gildemeister ehe-dem mit einem ziemlich durchsichtigen halb Pseudonym halbAnagramm „Giotto" zeichnete, so lange die Würde undBürde der öffentlichen Amtsstellung ihm noch gewisse Rück-sichten auferlegte. Seitdem habeu wir es von ihm erlangt,daß er sich des Inkognitos begeben. Es sei nur erinnertan Studien wie die über Taine, über Talleyrand, über„die Freuden des Lebens" von Lubbock, über „PraktischesChristentum", über „die trostlose Wissenschaft", „die erstenJudenverfolgungen in Deutschland", den Herzog von St.Simon, Sprachdummheiten, über die Jesuiten (heutewieder nachzulesen) und viele andere, bis auf die jüngstdem alten Roscher gewidmete Abhandlung. Vom Inhaltnicht zu reden, welch' ein Meister des Stils — ichhabe ihn vor Jahren schon einmal unseren „Neuesten"vorgehalten. So reinlich und zweifelsohne, so ganz einMann ein Wort. Alles einfach treffend, alles schlichterWohllaut, nicht gesucht und nicht gesungen. Zur ruhigenGangart der ruhige Ton, keine Nachsicht für Falschheit,aber Duldung genug für Fehler, Sinn für Menschliches,Ergründung von Altem und Neuem, kein Umherschweifen,doch ein gefälliges Verweilen beim Anziehenden, auch wennes klein ist, immer dem Kern der Dinge nachgehen uudimmer dabei spielend lächeln — so wird der beste Trankgebraut. Vor seiner Mitarbeit an der „Nation" hat Gilde-meister der „Deutschen Rundschau" ewige Perlen seiner