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Was so in der stillen Werkstätte beschaulichen Ge-nießens in unglaublich raschem Fluß der Arbeit ans Licht,gefördert worden, danach griffen dann die Verleger natür-lich mit Wonne, und die deutsche Lesewelt hat ihuen Rechtgegeben. So braucht man auf die Frage nach der Legi-timation zur Leistung nicht" zu antworten. Gildemeister istübrigens weit entfernt davon, ein besonderes oder besseresRecht seinen Vorgängern gegenüber zu beanspruchen. Ermacht es auf seine Weise, und jede Weise bringt ihre Vor-züge zum Ganzen, die seinige gewiß nicht die geringsten.In der Vm-rede zu seinen Shakespearestücken ist ausdrück-lich darauf hingewiesen, wie wenig aus der Entstehungdieser Arbeit auf eine Verkennung von Schlegels Verdienstengeschlossen werden möge, wie alle Spätem auf den Schul-tern dieses Meisters stehen.
In seinen Uebertragungen hat Gildemeister sich derRegel nach möglichst genan an die Form des Originalsangelehnt, im Versmaß wie in der Tonart. Er hat dieTerzinen Dante's mit dem fünffüßigen Jambus, die Otta-verimen Ariost's mit dem gleichen Vers, den englischenBlankvers Shakespeare's getreulich nachgebildet, bei jeglichemmit der dem Original eigentümlichen Gangart. In Buron'sDon Juan namentlich ist die Freiheit oder der Mutwille,mit welchen das Original sich losläßt, absichtlich wieder-gegeben, wie schon bemerkt, besonders geflissentlich in derälteren Ausgabe.
So viel, in schwer einzuhaltender Kürze, von diesenpoetischen Werken. Sie müssen den ersten und breitestenPlatz hier einnehmen, weil sie den festen, breiten Boden fürdas Verhältnis unseres Autors zur deutschen Litteratur ge-geben haben. Seine prosaischen Schriften hat er nie ge-sammelt, bezeichnender für seine Bescheidenheit als für ihrenWert, denn seine Essaus gehören ohne Zweifel zum