Druckschrift 
2 (1894) Charakteristiken
Entstehung
Seite
327
Einzelbild herunterladen
 
  

327

blüht nur um semer selbst willen. Die Universität Tübin-gen hat im Jahre 1364den elegantesten Uebersetzer undKenner fremder Dichter (pootaruin iutsi-prstsiv. st sxisti-raatorsin k1sAS,llti8siini2rQ)" zum Ehrendoktor ernannt,unter dem Dekanat Reinhard Pauli's, des zu früh ver-storbenen Kenners englischen Lebens, des humanen, allemSteifleinenen und Hochgestelzten abgeneigten Historikers.Ihm verdankt es wohl die Hochschule, daß sie sich mitdieser Ernennung ehrte, sein Geist war dem unseres Jubilarsverwandt, wenn auch seine Entwicklung in eine spätere Zeitfiel. Wäre Gildemeister in England geboren, so säße erwohl ini Parlament und wäre mehrmals Minister gewesen.

Die Lust am Uebersetzen fremder Meisterwerke gehörtzu den schönsten Eigentümlichkeiten deutscher Geistesbildung.In keiner anderen Nation haben so viele Schriftsteller erstenRanges sich solchen Arbeiten unterzogen, keine andereNation hat so viele klassische Uebersetzungen nnd keine hatdiese als so gleichberechtigt bei sich eingebürgert. Es könntedie Frage aufgeworfen werden, ob die neue Generationschafsend nnd empfangend nicht von diesem Wege abweichenwerde, ja es ist wahrscheinlich, daß es so kommen wird.Gildemeister gehört, wie dieser Tag uns in Erinnerungbringt, jenem älteren Geschlecht an, das einen vorurteils-freien, nach allen Seiten hin zugänglichen Sinn, persön-liche Selbstständigkeit und Verantwortlichkeit mehr pflegteals gesteigertes Selbstgefühl, enge Abschließung und Ge-bundenheit der Disziplin. Den Wahlspruch seines Lebenskönnte man in die Worte fassen i

Sollst dich am eignen Thun ergehen,Was andre thun, das sollst du schätzen.

Von den vaterländischen Geschicken haben vielleicht diedas Beste genossen, welche wie er, in ihren Jünglings-und Mannesjahren selbstthätig, hoffnungsvoll und sieges-