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Die Reichsbank : 1901-1925
Entstehung
Seite
110
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HO Die Reichsdaut voni Kriegsende bis zur Stabilisierung der Mark (19181928)

das Jahr 1920 hinein wurden sie als Reserve von den Privatbanken bevorzugt,so daß ein großer Teil der bei der Reichsbank seitens des privaten Verkehrsbeanspruchten Kredite durch Einreichung von Schatzanweisungen aufgenommenworden ist. Immerhin hatte sich die Gesamtsumme der Bestände an Handels-wechseln vorübergehend um die Mitte des Jahres 1920 auf über 6 MilliardenMark gehoben. In der Hauptsache aber bestand das Wechselportefeuille ausAuslandswechseln, eine Folge des Anwachsens der Ausfuhr, welches wiederdarauf beruhte, daß das Jnlandspreisniveau sich dem Rückgang der Valuta nochnicht angepaßt hatte. Um den Absatz der deutschen Produktion an das Auslandzu fördern, erklärte sich die Reichsbank Anfang Mai 1920 bereit, die voninländischen Exporteure« auf ausländische Abnehmer gezogenen langsichtigenTratten, die nicht akzeptiert waren, anzukaufen und damit dem deutschen Kaufmann die für das Exportgeschäft wichtige Kurssicherung zu verschaffen. DiefeMaßnahme hatte den beabsichtigten Erfolg, daß der Reichsbank bei Fälligwerdender Wechsel wesentliche Devisenbeträge zufielen. Die Reichsbank konnte dieMaßnahme ohne eigenes Kursrisiko vornehmen, weil sie dauernd Schulden andas Ausland abzudecken hatte, und die bei Einlösung der Tratten eingegangenenBalutenbeträge zu diesen Zahlungen zu verwenden imstande war.

Im Jahre 1921 gingen die Auslandswechselbestände der Reichsbank,die zu Beginn des Jahres noch erheblich gewesen waren, stark zurück. DerGrund hierfür lag im wesentlichen darin, daß über die eingehenden Auslands-papiere innerhalb kurzer Frist zu Zahlungen an das Ausland wieder verfügtwerden mußte, so daß sich ein größerer Bestand an diesen Papieren nicht bildenkonnte. Auch die Kurssicherungstratteu nahmen ab, weil die Ausdehnung desbereits im Jahre 1920 geschaffenen Termindevisenmarktes den Exporteuren dieMöglichkeit eröffnete, sich selbst durch Termingeschäfte gegen Kursverluste zudecken. Am Jahresschluß hatte sich das Verhältnis von Auslands- zu Jnlands-wechseln so sehr verschoben, daß erstere nur noch ein Neuntel der Summe der Jn-landswechsel ausmachten, während im Jahresdurchschnitt die Anlage in Aus-landswechseln mit rund einer Milliarde Mark um fast 300 Millionen Mark höherals die Jnlandswechselanlage gewesen war.

Im Jahre 1922 machte sich der große Mangel an Mitteln auf dem Geld-und Kapitalmarkte in immer stärkerem Maße geltend. Ein Weg zur Abhilfebot sich in der ausgedehnteren Verwendung des Handelswechsels, der eineGrundlage schuf, auf welcher sowohl die Reichsbank wie auch die privaten Kredit-institute in erweitertem Umfange Kredite zu geben in der Lage waren. Die