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Die Reichsbank : 1901-1925
Entstehung
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Die Stabilisierung der Mark

as Jahr 1923 brachte eine wachsende und schließlich bis zu einem Fortschreitendeunerhörten Grade fortschreitende Entwertung der Markvaluta. ^Mart"^Den unmittelbaren besonderen Anstoß zu dem beschleunigtenVerfall gab der Einbruch der Franzosen und Belgier in dasRuhrgebiet , der die bisherigen ungünstigen Einwirkungen verschiedener Artkatastrophal verstärkte. Die hinzukommenden Gründe waren im wesent-lichen doppelter Natur. Einerseits litt unter den Folgen des Einbruchsdie deutsche Handelsbilanz auf das schwerste; die Ausfuhr ging zurück,da die Produktion unseres wichtigsten Industriegebietes zu einem erheb-lichen Teil stillgelegt wurde, und die Einfuhr stieg, weil die sonst im Ruhrgebiet erzeugten Kohlen und anderen Produkte nunmehr ans dem Auslande importiertwerden mußten. Andererseits gestaltete sich die Finanzlage des Reiches immerungünstiger; seine Ausgaben wuchsen ganz außerordentlich angesichts der durchden passiven Widerstand bedingten Aufwendungen, insbesondere der Arbeits-losen- und Kreditunterstützungen, und die Einnahmen sanken, da das Ruhrgebiet für Steuern, Eisenbahnfrachten usw. so gut wie gänzlich ausfiel. Die Folge war,daß das Reich sich genötigt sah, die Ausgaben noch stärker als bisher im Wegeeiner Erhöhung der schwebenden Schuld durch Diskontierung von Schatz-anweisungen bei der Reichsbank zu decken. Diese Erhöhung der schwebendenSchuld mußte aber zu einer sortgesetzten Steigerung der Inflation führen, dader Wiederabsatz der Schatzanweisungen im freien Verkehr völlig ins Stockengeriet. Es kam hinzu, daß durch die Gestaltung der politischen Verhältnisse dieReichsbank sich genötigt sah, auch unmittelbar weitgehende Kredithilfe für dieprivate Wirtschaft zu leisten.

Da die Reichsbank den Bedarf an Zahlungsmitteln zeitweise nicht vollzu befriedigen vermochte, wurde die Ausgabe von Notgeld in beschränktemUmfange gestattet. Aber bald dehnte sich diese Ausgabe, ohne daß es sich

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