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Die 'wissenschaftliche' Leistung des Herrn Ludwig Bamberger : ein Nachspiel zu meinen 'Arbeitergilden der Gegenwart' / von Lujo Brentano
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zu schicken hat, und welcher dann den verarbeiteten Stoff Tausendevon Meilen zum Markte zu schicken hat? Ihr werdet sagen, es seider Vortrefflichkeit unsers Maschinenwesens zu danken. Und wemist die Vortrefflichkeit unsers Maschinenwesens zu danken? Wieviele der Verbesserungen, welche an unserm Maschinenwesen ge-troffen worden, verdanken wir dem Scharfsinn und dem geduldigenNachdenken von Arbeitern! Adam Smith sagt uns in dem erstenCapitel seines grossen Werkes, dass man kaum in eine Fabrik gehenkönne, ohne irgend eine sehr hübsche Maschine das ist seinAusdruck zu sehen, welche irgend ein Arbeiter ersonnen. Har-graves, der Erfinder der Spinnmaschinen, war ein gewöhnlicher Hand-werker. Crompton, der Erfinder der Streckmaschine (mule jenny),war ein Arbeiter. Wie viele Stunden der Kinderarbeit würden soviel für unsere Manufacturen bewirken, als Eine dieser Verbesse-rungen bewirkt hat? Und in welcher Art von Gesellschaft lassensich solche Verbesserungen am wahrscheinlichsten erwarten? Gewissin einer Gesellschaft, in welcher die Fähigkeiten der arbeitendenBevölkerung durch Unterricht entwickelt sind. Wie lange werdetihr warten, bis irgend ein Neger, der unter der Peitsche in Loui-siana arbeitet, eine bessere Maschinerie zum Auspressen des Zucker-rohrs erfinden wird? Mein ehrenwerther Freund scheint mir, in allseinen Raisonnements über die Plandelsblüthe der Nationen, gänz-lich die Hauptursache zu übersehen, von welcher diese Bliithe ab-hängt. Was ist es, Sir, das den grossen Unterschied zwischen Landund Land bildet? Nicht die Fruchtbarkeit des Bodens; nicht dieMilde des Klimas; nicht Bergwerke, noch Häfen, noch Flüsse.Diese Dinge sind allerdings werthvoll, wenn sie durch menschlicheEinsicht zu ihrem rechten Gebrauche verwendet werden; aber mensch-liche Einsicht kann viel ohne sie thun, und ohne menschliche Ein-sicht können sie nichts thun. Sie bestehen im höchsten Maassein Gegenden, deren Einwohner wenig und schmutzig und barbarischund nackend und hungerleidend sind, während man auf unfrucht-baren Felsen, inmitten ungesunder Moräste und unter unfreundlichenHimmelstrichen ungeheure Bevölkerungen finden kann, gut genährt,gut wohnend, gut gekleidet, gut regiert. Die Natur bestimmteAegypten und Sicilien, die Gärten der Welt zu sein. Sie waren eseinst. Giebt es irgend etwas in der Erde oder in der Luft, dasSchottland blühender machte, als Aegypten, das Holland blühendermachte, als Sicilien? Nein; der Schotte war es, der Schottland ge-macht hat; der Plolländer war es, der Holland gemacht hat. Blicketauf Nordamerika . Vor zwei Jahrhunderten waren die Stellen, andenen sich jetzt Fabriken erheben und Plotels und Banken undCollegien und Kirchen und die Senatshäuser blühender Gemein-wesen, Wüsten, dem Panther und dem Bären preisgegeben. Washat die Umwandlung bewirkt? War es die reiche Fruchterde, oderdie überströmenden Flüsse? Nein: die Prairien waren damals so