Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
Entstehung
Seite
85
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Kapitel.)

Straßburg: Heinrich Eggestein .

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Der zweite Typograph Straßburgs , ein würdiger Genosse Mentels,war Heinrich Eggestein, von Rosheim gebürtig. Er hatte auf einerUniversität den Magistergrad erlangt. Nach Straßburg gekommen, be-kleidet er nach 1427 bis 1463 das Amt eines Jnsiglers, kommt späternur noch als Schreiber vor und hat sich alsdann der Buchdruckerkunstzugewandt. Für seine anfängliche Verbindung mit Mentel spricht einZeugnis des Hieronymus von Gebwiler", der ein Dokument gesehenhaben will, nach welchem Eggestein sich gegen Mentel verpflichtete, ihrgemeinsames Verfahren geheim zu halten. Aus diesem Umstände könntegeschlossen werden, daß Mentel jenem die Kunst gelehrt habe. Wäredieses der Fall, so würde die Genossenschaft von nicht langer Dauer ge-wesen sein, denn durch einen Schirmbrief vom 30. April 1466 nahmKurfürst Friedrich von der Pfalz , als Landgraf vom Elsaß, Eggesteinund dessen Arbeiter in seinen besondern Schutz, ein Beweis dafür, daßer in jenem Jahre" bereits für sich allein arbeitete. Eins seiner schön-sten, uns heutzutage wertvollsten Werke ist die erste deutsche Bibel (ohneDruckerfirma und Jahreszahl erschienen), von welcher durch mehrererubrizierte Exemplare erwiesen ist, daß sie mindestens 1466 gedruckt seinmuß; sie enthält 404 Blatter'in zwei Spalten zu jr 60 Zeilen. Mentelstellte erst nach ihr die oben angeführte zweite deutsche Ausgabe her.

Seinen ersten datierten, und zugleich den ersten datierten straßburgerDruck überhaupt, lieferte Eggesteiu in dem Riesenfolianten desvvore-tum Oratiarn" von 1471, nachdem er bereits drei lateinische undatierteBibeln hatte erscheinen/lassen. Trotzdem, daß Schöffer in Mainz diesesvvorswin" nachzudrucken sich beeilte, gab Eggestein doch schon 1472 eineneue Auflage heraus, ein Beweis für den reißenden Absatz des Werkes.In demselben Jahre veranstaltete Eggestein noch eine Ausgabe der 01s-weiitivg,ö", in deren Explicit er seinen Namen nennt und hinzufügt,daß von ihm schon zahllose Werke über göttliches und menschliches Rechtausgegangen seien. Man war bisher geneigt, dieses Wort als starkeÜbertreibung aufzufassen oder den Ausdruck volumina im Sinne vonExemplaren zu deuten; indessen hat neuerdings der Klemmsche Katalognachgewiesen^, daß demselben Typographen eine größere Zahl von Wer-ken angehört, die bisher einemunbekannten straßburger Drucker" oderdurch Irrtümer und Verwechselungen auch den Typographen Georg Reiserin Würzburg und Christoph Valdarfer in Mailand zugeschrieben wurden,