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^Zweites
habe, so mußte solchen Erfolgen doch jedenfalls eine ausgedehntere Thätig-keit vorangegangen sein, als sie die wenigen bekannten Drucke erkennen lassen.
Übrigens wird der frühe Anfang des baseler Buchdrucks durch keineThatsache in ein helleres Licht gestellt, als durch jenen ältesten allerDruckerstrikes, welchen die dortigen „Buchdruckerknechte" im Jahre 1471gegen „die Meister, so die Bücher drucken" durchsetzten." Die Gesellenverbanden sich nämlich untereinander gegen ihre Meister und verließen,da sie sich in ihren Rechten beeinträchtigt glaubten, die Arbeit. Soentleerten sich denn die Offizinen, und es kam zu langwierigen Streitig-keiten, die schließlich in Güte beigelegt wurden. Die am Ende desJahres 1471 zu Stande gebrachte Vereinbarung lautet, ins Hochdeutscheübersetzt, im Gerichtsprotokoll also: „Demnach ist zwischen den Meistern,welche Bücher drucken, einerseits, sowie den Gesellen andernteils durchdie Herren Urteilsprecher folgende gütliche Vereinbarung und nachstehen-der Vertrag beschlossen worden: Die Gesellen sollen heute wieder an ihreArbeit gehen, dieselbe zur Zufriedenheit ihrer Meister Und zur eigenenEhre verrichten, sich auch sonst im Dienste gebührlich betragen und sichnamentlich davor hüten, Bündnisse unter sich einzugehen. Desgleichensollen auch die Meister die Gesellen halten und ihnen zukommen (wört-lich: sehen) lassen, was billig ist, mit Essen, Trinken u. s. w. Sollte essich ereignen, daß einer, zwei oder mehrere unter den Gesellen sich auf-rührerisch zeigten und Widerstand leisteten (etwas unwilles fürnemen),so sollen die Meister den Betreffenden, je nach Verhältnis des jährlichenLohnes, auszahlen und verabschieden. Ebenso sollen die Gesellen, wennihnen von den Meistern etwas überbunden (zugemutet) wird, das überGebühr ist, den Abschied nehmen und jene haben ihnen den Dienstlohn(lidlon) ebenfalls nach Verhältnis (des bedungenen) auszurichten. Beidiesem Entscheid hat es zu bleiben, alles ehrbar und redlich («ohneGefährde»)."
Abgesehen davon, daß aus dieser Urkunde das Bestehen einer größernAnzahl von Druckwerkstätten zu Basel schon im Jahre 1471 hervorgeht,liegt es auch auf der Hand, daß, bevor die Verhältnisse eines Gewerbeszu so großer Bedeutung heranwachsen konnten, wie sie ein in allen Phasenausgebildeter Arbeiterstrike bekundet, ihre Entwickelung von den ersten An-fängen bis zu den Lebensäußerungen eines groß gewordenen Standes schoneinen größeru Zeitraum in Anspruch nehmen mußte.