162
Wicn: Hieronymus Victor. Ibhann Singriner.
sZweites
laden befand sich auf dem alten Fleischmarkt gegenüber dem Nonnen-kloster St. Lorenz. Sie besaßen schon griechische Typen und zeichnetensich überhaupt durch guten Druck aus. Das erste Erzeugnis ihrerPresse war ein Claudianus ; iin Jahre 1512 druckten sie unter andern:Ulrich von Huttens „Ermahnung an den Kaiser Maximilian " (als erin den Venetianischen Krieg zog). Doch schon zu Anfang 1515 trenntensich beide, blieben aber gute Freunde. Vietor übersiedelte 1517 wiedernach Krakau und widmete sich persönlich, bis zu seinem 1546 erfolgtenTode, ausschließlich seiner dortigen Offizin, führte jedoch sein wienerGeschäft unter Leitung seines Bruders Benedikt und nach dessen Todevurch andere Faktoren bis 1531 fort. Vietor hat wenig in deutscher, dasmeiste in lateinischer, einiges auch in griechischer-und polnischer Sprachegedruckt; seine griechischen Typen verdienen ganz besonderes Lob. SeinDruck war korrekt, sein Papier gut und seine Holzschnitte waren zierlich.Sein schönstes und seltenstes Werk ist Wohl das „Oäsxorioon" desKardinals Lang. Seine Drucke gehören fast alle der profanen, nurwenige der theologischen Litteratur an; Schulbücher, Klassikerausgaben,medizinische und astronomische Schriften, Lehrgedichte und Reden bildenden Hauptteil des Verlags.
Singriner entwickelte nach seiner Trennung von Vietor bis zuseinem Todesjahre (1545) eine außerordentliche Rührigkeit. Mit Colli-mitius, Camers und Vadian befreundet, war er von der Bedeutungseiner Aufgabe für die Wissenschaft völlig durchdrungen, lieferte korrekteKlassikerausgaben und arbeitete nicht allein eifrig in seiner Offizin, son-dern beschäftigte sich auch mit dem Schriftguß und der Lieferung vonHolzschnitten für andere; besonders schön und geschätzt war seine Antiqua.Er ist zugleich der erste wiener Drucker, welcher hebräische Typen besaß.Seine staunenswerteste Leistung ist der Druck des Verböczschen „Iripar-titum 0xu8 ^uris IinnZariei" (1517), dessen 71 Bogen er mit einersehr großen Antiqua und mit gotischen Rubriken in 40 Tagen herstellte.Nach der Zahl, Mannigfaltigkeit und Ausstattung seiner Drucke gehörter zu den hervorragendsten und thätigsten Meistern seiner Zeit. Seinerster Druck ist des Albertus Magnus „ktnlosoxkig. lls-turalis" undsein letzter das Gebetbuch des Bischofs Nausea für die Königin Anna,die Gemahlin Ferdinands., Im übrigen gehören seine Verlagsartikelder Theologie, Medizin, Jurisprudenz, polemischen Litteratur, Philologie,