Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
Entstehung
Seite
197
Einzelbild herunterladen
 

Kapitcl.s Paris: Marti» Kranz, Michael Freiburger und Ulrich Gering . 197

schiedencr Eiceronianischer Schriften (wie die Bücher vom Redner, vonden Pflichten, der Freundschaft, dem Alter, Tnscnlancn'l, als auch deöFlorus, desK^oculum t4uing.nae Vitas" u. s. w. Im gauzeu belicfsich die Zahl der von diesen drei Deutschen iu der Sorbonne hergestelltenDrucke auf etwa 22. Gering und Genossen waren durch Hehnleiu undFichet sehr gut beraten, weshalb sie auch mit großem Gewinn und Er-folg arbeiteten.

Gegen Ende 1472 oder zu Anfang 1473, als Bcssarion eben ge-storben war und Fichet und Hehnlein Paris verlassen hatten, zogen diedeutscheu Drucker aus der Sorbonne aus und ließe» sich in der StraßeSt. Jacques im Hause .^>i s^Isin nurouiu (Zur goldenen Sowie",jetzt Nr. 70) nieder." Hier fingen sie an, populäre Werte zu drucken,welche einen noch größern Absatz versprachen, wie dieI^geuäa, aures,",dieI'xöwplll Fidcr-z.« 8cli^tui!Z.o"; 1476 verlegten sie anch eine latei-nische Bibel. Bezeichnend für den damaligen Markt ist es, daß sie inderGoldenen Sonne" keinen Klassiker mehr druckten. Unter den 21 Wer-ken, die hier vollendet wurden, nehmen lateinische, und unter ihnen vor-zugsweise die für die Geistlichkeit bestimmten theologischen Glossen, Kom-mentare n. s. w., den Hauptplatz ciu. Gering und Genossen druckteneben rein geschäftsmäßig, was dem Geschmack der Zeit entsprach, ander-wärts schon Beifall gefunden hatte, also Absatz und Gewinn verhieß.Kein einziges Buch in französischer Sprache ging ans ihrer Offizin her-vor. Daß die drei Deutscken aber in Paris hochangeschcne Leute waren,beweist der Umstand, daß sie im Februar 1475) iu Frankreich kostenfreinaturalisiert wurden.

Gering scheint der jüngste nnd thätigste unter ihnen gewesen zu sein.Er war bis zn seinem am 23. August 1510 in Paris erfolgten Todeals Drucker thätig und starb als ein angesehener uud reicher Mann,welcher namentlich der Sorbonne bedeutende Vcgatc hinterließ. Freibnrgerund Kranz scheinen schon 1477 nach Deutschland zurückgekehrt zu seinoder sich ganz vom Geschäft zurückgezogen ;u haben: wenigstens geschiehtihrer seit dem am 31. Oktober 1477 vollendeten Druck der Fasteurcdcndes Lconhard von Udine keine weitere Erwähnung. So tragen die am30. Januar 1478 erschienenenI^xempln, Laei-ao Lvripturks" nur nochden Namen von Ulrich Gering als Drucker.'^ Dieser associjerte sichzunächst mit Georg Mahnhal, mit welchem er am 29. April 1480 das