200
einen Schüler der „Brüder vom gemeinsamen Leben ", der bei seinem ge-lehrten Zeitgenossen Gaguin lidrorum iivpriillöQclorura ckiligsutissi-iQU8 iiämoäuiQ eastig^tvr heißt. Badius siedelte bald nach Paris über, errichtete dort 1495 eine eigene Druckerei und verlegte bis anseinen 1535 erfolgten Tod an 400 Werke, darunter eine große Zahlgriechischer und römischer, von ihm selbst recensierter Klassiker. Trechselhatte der spätern Frau Badius den Namen einer der neun Musen ge-geben, gleichsam uin dadurch seine Hofsnungen für die Richtung ihresspätern Lebens anzudeuten. Sie entsprach den in sie gesetzten Erwar-tungen vollauf und zeichnete sich, herangewachsen, durch Gelehrsamkeit undfeine Bildung aus.Die aus der Badiusschen Ehe hervorgegangenendrei Töchter heirateten wieder drei der bedeutendsten französischen Buch-drucker und Verleger ihrer Zeit, und zwar die älteste. Perrette, den be-rühmten Robert Etienne (Stephanus, gestorben 1559), Katharina denMichael Vascosan (gestorben 1576) und Johanna den Johann von Roignh.Perrette war noch hervorragender als ihre Mutter und nicht allem einevortreffliche Frau und Gattin, sondern auch eine hochgebildete, des Latei-nischen mächtige Kennerin der klassischen Litteratur. Perrette's Sohn istHenri Etienne (Henricus Stephanus , geboren 1532, gestorben 1598),der gelehrte Verfasser und Verleger des „IKesauruZ I^iriZuas Krasoas".Vorzugsweise den Verbindungen so bedeutender deutscher und französi-scher Druckerfamilien und ihrer rastlosen, sowohl geschäftlichen als geistigenThätigkeit verdankt denn auch Frankreich während des ganzen 16. Jahr-hunderts seine hervorragende Bedeutung in der Geschichte des Buchdrucksund des Buchhandels. 22
Damals war aber noch nicht, wie später, das geistige Leben des Lan-des in Paris konzentriert; im Süden blühte namentlich die große Han-delsstadt Lyon als buchhändlerischer und wissenschaftlicher Mittelpunktnicht allein für diesen Teil Frankreichs , sondern auch für die angrenzen-den Völker des Mittelmeeres bis tief nach Spanien hinein. Schon seitEnde des 14. Jahrhunderts hatte das alte Lugdunum eine wichtige undbleibende Niederlage für die augsburger und nürnberger Kaufleute ge-bildet; sie gründeten hier bald selbständige Geschäfte oder Filialen undfanden in ihnen später einen Hauptstützpunkt bei ihrem Vordringen nachSpanien und Portugal . Die Welser hatten dort z. B. 1498 eine sehrbedeutende Faktorei, an deren Spitze ein geborener Augsburger, Narciß