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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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Lyons Buchhandel im 16. Jahrhundert.

sDrittcs

nnd I. Marion.'^ Die lyoneser Drucke zeichneten sich von Anfang andurch schöne Ausstattung nnd sorgfältige Korrektur aus, sodaß ihnensogar sväler gelang, die Käufer der Aldinischen AnSgavcn zu täuschen.Es ist auch beachtenswert und jedenfalls eine Folge der engen geschäft-lichen Beziehungen zu Deutschland , daß der Gebrauch der Anücniaschrift,zu dem ja alle romanischen Böller sehr schnell übergingen, in den lyo-neser Druckereien erst sehr spät, nach der Mitte des 16. Jahrhunderts,zu voller Herrschaft gelangte. LhonS kanfinännische Messen zogen Handels-leute aus ganz Europa an, die sich hier auch mit dcu mncslcu Erscheinungcn des Buchhandels versahen. Mit einziger Ausnahme von Ve-nedig war Lyon der größte Büchermarkt für das ganze südliche Europa .Andererseits gehörten die lhonescr Verleger schon früh zu den regel-mäßigen Besuchern der frankfurter Buchhäudlermessen und führten vondort aus die neu erschienenen litterarischen Erzeugnisse bei sich ein, sodaßBuchdruck resp. Perlag und Buchhandel einander, ergänzten und sich znhoher Blüte entwickelten, eine Blüte, die sich auch während des ganzen16. Jahrhunderts erhielt. Das deutsche Haus Trechsel, welches schon 1487den ersten Band der Werke des heiligen Augnstin gedruckt hatte, verlegteauch einzelne Werke des auf Betreiben Calvins 1553 in Genf verbrann-ten Michael Servct. Der große deutsche Verleger Sebastian Grhph'msiGreiff', Bruder dcö bis 1540 in Paris druckenden Franz Grhphius,ließ sich 1528 in ^hon nieder, sing seine Thätigkeit mit einem Gebet-buch in hebräischer, griechischer und lateinischer Sprache an und schloßsie 1556 mit einer Ausgabe des Tercuz. Maittairc schätzt die Zahl dervon 1528 bis 1547 von ihm ausgegangenen Drucke auf 3M. Grhphiusverlegte unter andcrm auch eine, wenn nicht mehrere Schriften für dengelehrten lhoncser Buchdrucker Stephan Dolet, der 1546 als Ketzer inParis verbrannt wurde. Jean, der erste Chef der großen., 240 Jahreblühenden Buchhändlerfamilic dc Tournes (von 1540 bis 1585 in Vhonund bis 1780 in Genf thätig >, bestand seine ^chre bei genaunrem Se-bastian, dessen Sohn Anton noch 1580 zu den hervorragendsten Ver-legern ^honS zählte. Kurz, überall zeigen sich hier deutsche mittelbareund unmittelbare Einwirkungen, und eS dauert seit der crsteu Einwande-rung deutscher Drucker mcbr als ein volles Jahrhundert, bis der Buch-handel Vhons^ seinen specifisch nationalen Charakter gewinnt. Die Einzel-heiten dieser Entwickelnng gehören aber selbstredend nickt hierher.