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trat aber hier erst am 6. Januar 1486 in die Dienste des Königs.Es fragt sich nun, was er in der Zwischenzeit getrieben hat? Derspätere Entdecker genoß während dieser Periode die Gastfreundschaft desHerzogs von Medina-Coeli in der Stadt Cogolludo . Ein Palastgeist-licher des spanischen Königs, Andreas Bernaldcs,, berichtet nun aus dieserZeit von ihm^: „Es war da ein Mann aus den genuesischen Landen,Händler mit gedruckten Büchern, welcher hier in Andalusien seine Warenfeilbot und welcher Christoph Eolumbus hieß." Der Ausdruck „in An-dalusien feilbot" spricht dafür, daß Eolumbus im Lande herumgezogensein muß, um etwas bares Geld zu verdienen. Freie Wohnung hatteer zwar in Cogolludo iin Palast des Herzogs, allein für seine übrigenBedürfnisse mußte er selbst sorgen. Es liegt also die Schlußfolgerungnahe, daß der Entdecker Amerikas einer der ersten Kolporteure war.Die Vorliebe für Bücher scheint sich übrigens vom Vater auf den Sohnvererbt zu haben, denn Ferdinand Eolumbus gründete eine Bibliothekvon 12000 Bänden, die Columbina, welche er dem DominikanerklosterSan Pablo in Sevilla vermachte und regelmäßig durch Ankäufe insechs, testamentarisch namhaft gemachten Städten ergänzen ließ.
Portugal erhielt seine erste Druckerei auch nicht früher als in denachtziger Jahren des 15. Jahrhunderts. Von ihm ist kaum etwas an-deres, ja noch weniger als von den spanischen Leistungen zu sagen.Während in Spanien die Deutschen die neue Kunst einführten und jedendamit bekannt machten, der sie erlernen wollte, waren in Portugal diegelehrten Juden die Vermittler, welche jedoch, um sich ein Monopol zusichern, ihre Kenntnisse sehr geheimhielten.^
Wenn sich Leiria im portugiesischen Estremadura auch rühmt, nachMainz die vierte Stadt der Welt gewesen zu sein, wo die Buchdrucker-kunst Eingang gefunden habe, so steht thatsächlich doch nur so viel fest,daß Magister Hortas 1484 in Leiria den „^Ilug-naou xsrxstuug sodoAkstions ^strouoirn Aaouti" als die älteste portugiesische Inkunabeldruckte. Ihm folgten Rabban Eliezer und Samuel Zorba zu Lissabon mit dem „Lexuer OraoK Lus-im" (1485), einem Kommentar zum Pen-tateuch (1489), dann mit dem Text des Pentatench (1491), schließlichmit „Lexusr luexuilotn" (1495). Um für den Druck christlicherWerke nicht auf jüdische Hände angewiesen zu sein, ließ die KöniginLeonorc, Gemahlin Johanns II., aus Deutschland die Drucker Valentin
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