Kapitel.)
Verhältnis der Schreiber zu den Buchdruckern.
269
Tage, sagt er, verprassen sie einen ganzen Wochenlohn. ^ „Wenn dieStudenten wider heim kumen, so kunnen sie mit (nichts) und werdenbuchtrucker darusz", sagt Geiler in seinen Predigten über das Narren-schiff. ^ Daraus erklärt sich vielleicht das Hinübernehmen eines Stücksdes studentischen Pennalismus, des Depositionswesens, in die Zunft-gebräuche der neuen Kunst.
Die Schönschreiber verhielten sich anfangs derselben gegenüber feind-lich, weil sie sich von ihr in ihrem Erwerbe bedroht sahen. Ihre Gegner-schaft hielt aber nicht lange an, teils weil sie um des lieben Broterwerbswillen alles aufbieten mußten, nicht nur Schriften formen und gießen,sondern auch Bücher setzen und drucken zu lernen, teils weil sie sich baldüberzeugten, daß auch für sie bei der täglich wachsenden Ausdehnung derKunst noch genug zu thun und zu verdienen übrigblieb. Die gescheiternKöpfe und tüchtigern Kräfte unter den Schreibern würdigten also sehrbald deren Tragweite und übertrugen in richtiger Erkenntnis der Folgen,welche der Buchdruck für sie haben mußte, ihre Erfahrung, Kenntnisseund Einsicht auf das immer mehr aufblühende Geschäft. Wenn bei derfrühern handschriftlichen Herstellung ein paar, oder höchstens einigeDutzend Bücher mit Initialen zu schmücken oder zu rubrizieren gewesenwaren, verlangten jetzt Hunderte und Tausende von Werken eine der-artige künstlerische Zuthat. Die ehemaligen weltlichen Schreiber, welchemit den geistlichen Schreibern und teilweise auch mit den Stationariender Universitäten konkurrieren mußten, hatten jetzt so viel Arbeit als siewollten und verdienten mit einiger Geschicklichkeit als Setzer und Druckerebenso viel, wenn nicht mehr. Der Verdienst der Zeichner und Maler,Jlluminierer und Rubrikatoren vermehrte sich auch, statt daß er sank. Indieser Thatsache lag das einigende und versöhnende Moment für die alteund neue Richtung, die allmähliche Annäherung und Verschmelzung ihrerInteressen. Dieser Versöhnungsprozeß vollzog sich schon in den ersten Jahr-zehnten nach Erfindung der neuen Kunst. Es ist also kein Zufall, daß ge-rade in den Städten, in welchen während des Mittelalters Schönschrei-berei, Miniaturmalerei und Handschriftenhandel in Blüte gestanden hatten,schon in den sechziger und siebziger Jahren des 15. Jahrhunderts die erstenund bedeutmdsten Druckereien entstanden, welche sich zugleich durch beson-ders geschmackvolle Ausstattung ihrer Verlagswerke und teilweise reichenBilderschmuck derselben auszeichneten. Straßburg, Basel, Augsburg ,