280 Scheidung des Verlagshandels vom Buchdruck, ^Fünftes
-und Gefahr besorgten. Mit der Verbreitung der Pressen, auch ankleinern Orten, und mit dem steigenden Bedürfnis der sich täglich er-weiternden Lesewclt löst sich jedoch auch der Verlagshandel bald vielfachvom Buchdruck ab und wird schon gegen Ende des 15. Jahrhundertsein selbständiges Geschäft, wenn auch noch jahrhundertelang, wie schonfrüher angedeutet, im Volksmunde, ja selbst in amtlichen Schriftstücken,der Verleger und Drucker gleichbedeutende Begriffe bleiben. Die Thätig-keit der Drucker überwog auch noch für lange Zeit derart, daß beide Be-rufe nur schwer bestimmt gegeneinander abgegrenzt werden konnten. Soheißt es in einem leipziger Ratserlasse von 1526, den Kirchhofs mit-teilt: „Buchdrucker und andere, so Pflegen Bücher zu verkaufen." Alsotrotz bereits fünfzigjähriger Praxis werden hier die Buchhändler nochmit den Druckern zusammengeworfen. Ganz ebenso ließ der Rat vonNürnberg 1537 allen „Buchdruckern" den Verkauf eines von der frank-furter Messe eingeführten Schmachbüchleins „Fama" verbieten." Nunist es von Nürnberg bekannt, daß hier die Buchführer auf dem Markt,vor den Kirchen und auf offener Straße schon vor der Reformation dieneuen litterarischen Erscheinungen feilhielten. Erst am 14. September1569, als der frankfurter Rat die zur Messe anwesenden Buchhändlervor sich beschick, bemerkte er am Schluß des Protokolls, „daß oberzehltePersonen nit allein Buchtrucker, sondern mehreren Theils zum TheiltBuchhändler, zum Theil! Buchführer seint." „Weither seint auch vilvnder solchen Typographis, die für sich selbst nichts, sondern alleinmörvöllariö anderen, zum Theilt auch Buchtruckern, zum Theilt aberBuchhändlern und Verlegern trucken und die getruckten Exemplare den-selben zustellen." Auch der kölner Rat unterschied 1578 die Buchhändlervon den Buchdruckern. i6
Wie große Druckereien, um den Anforderungen des Markts zu ge-nügen, Bestellungen bei andern machten, so nahmen auch die Verlegervielfach fremde Pressen m ihren Dienst. In Straßburg unterschied manschon gegen Ende des 15. Jahrhunderts zwischen „redelichen", d. h. großenDruckereien, welche ausschließlich ihren eigenen Verlag druckten, und„gemeinen", d. h. kleinen Druckereien, deren Pressen für Dritte ar-beiteten. Jene standen natürlich höher als diese." Diesen durch dieGeschäftsentwickelung bedingten Fortschritt förderten außerdem noch prak-tische Erwägungen. Die eine Druckerei war für einen bestimmten Zweck