Kapitels
Die Sortimciltshlindler: Vuchführcr.
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bis' zur Neformationszeit Ballen vor, deren Hülle aus Häuten bestand,um den besonders wertvollen Inhalt besser zu schützen. Auch Kisten(Kasten) werden gelegentlich erwähnt.
Wie iu Deutschland , so verband sich mich in andern Ländern zu An-fang des 16. Jahrhunderts der Vertrieb der eigenen Verlagsartikcl zu-gleich mit dem Verkauf der von andern Druckern verlegten Bücher. Sohatte Aldus in Venedig in seinem offenen Laden ein Lager griechischerBücher, welche, wenn auch von andern gedruckt, von ihm angekündigtund verlauft wurden. Barthelcmh Buher und sein Gesellschafter Le Roh(Königs) in Lhon hielten schon 1484 ein Lager in Toulouse und zahltenhier Steuer für den Verkauf ihrer Bücher.^ „Gestern hatte ich mirvorgenommen", schreibt Budäus am 5. Februar 1516 aus Paris auErasmus, „zu meinem Vergnügen einige Nachmittagsstuuden mit demBesuch der Buchläden zu verbringen. Im Laden des Johann Parvustraf ich den Wilhelm Parvus, einen Verwandten von jenein, wenn ich,nicht irre, welcher jetzt einer der Beichtväter des Königs ist."
Die selbständigen^ sich auf Sortiment beschränkenden Buchhändlertraten natürlich zuerst in den großen Handelsstädten aus, welche früherschon die Mittelpunkte des Handschriftenhandels gebildet hatten. Ihnenschlössen sich die Universitätsstädte an, wo das Kommen und Gehen zahl-reicher Studierenden einen, wenn auch bescheidenen, buchhändlcrischcn Ab-satz bedingte. Es handelt sich hier nicht um den Drucker, der zugleichdie Erzeugnisse seiner Presse im eigenen Laden oder auf Messen ver-kauft, sondern um deu Svrtimenter im heutigen Sinne des Worts,welcher kein Drncker (Verleger) ist und ans allen Wissenschaften einenkleinern oder größern Vorrat von Büchern auslegt und zum Verkaufanbietet.
Der älteste nachweisbare Sitz des Sortimentsbuchhandels als selb-ständigen Geschäfts ist Augsburg , in dessen Steuerbüchern von 1483 anbis 1500 uicht weniger als zwölf Namen von Buchführern angeführtwerden. Es sind dieS: Claus Rächlin, Peter Haag oder Hagen , SimouOcgliu, sämtlich zuerst 1483; Siegmuud (ohne Hausnamen) 1490, Chri-stoph Schappelmann 1491, Jakob (ohne Hansnamen) 1492, Hans Nuoff1494, Wohlgemuth (ohne weitere Bezeichnung) 1494, Haus Nynmannund Hans Kaiser 1495, Johannes Hermann oder Harmann 1497 undLenhard der Buchführer 1499. Auch die leipziger Bürgermatrikel er-