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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
Entstehung
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Kapitels

Höhe dcr Auflachn,

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vorherige Anfrage an Ihn gelangende Mitteilung oder Dedikation un-beantwortet lassen werde.""

Auch über die Hohe der Auflagen und die Preise der Bücher läßtsich bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts keine Regel aufstellen, da dieAngaben zu unvollständig sind. Es ist bei Darstellung dieser Fragevielfach der Fehler begangen worden, daß man einzelne Daten zu sehrverallgemeinert und aus ihnen Schlüsse gezogen hat, welche bei nähererPrüfung aller in Betracht kommenden Verhältnisse nicht stichhaltig sind.Jedenfalls aber sind Thatsachen genug vorhanden, um den Schluß zurechtfertigen, daß es damals so wenig wie heutzutage allgemein sesteRegeln gab, sondern daß die Auflage durch den Charakter des Buchs,den Unternehmungsgeist des Verlegers und den Stand des Markts be-dingt war. Wenn, wie zum Teil schon im dritten Kapitel angeführtwurde, 1468 bis 1472 Schweinheim und Pannartz im Durchschnitt nureine Auflage von 275 Exemplaren druckten, wenn Johann von Spehcrdie erste Ausgabe des Plinius 1470 in nur 100 Exemplaren heraus-gab, wenn ferner Johann Neumeister 1471 oder 1472 nur 200 Exem-plare von Cicero'sLxi8t»1g.6 g.ä k^milig-i-ös" abzog, und wenn endlichKranz, Gering und Freiburger 1472 die von ihnen in der Sorbonnegedruckten Bücher, wie z. B. Cicero's Schriften, auch nur in 200 Exem-plaren auf den Markt brachten, so mußten dem doch Wohl ziemlich die-selben Ursachen zu Grunde liegen. Offenbar war die Zahl der Käuferdieser gelehrten Litteratur noch zu klein, denn die reichen Büchersammlerzogen ja zunächst vielfach noch das geschriebene Buch dem gedruckten vor.Dagegen bereiteten die plötzlich auftauchenden vielen Bücher sich gegen-seitig Konkurrenz, das Papier aber und die Herstellung waren teuer, sodaßdie wenigsten Drncker das Risiko einer großen Auflage laufen konnten.

So spärlich aber auch die gelegentlichen Angaben über die Größeder einzelnen Auflagen sind, einen so sichern und untrüglichen Schlußgestatten andererseits die bibliographischen Verzeichnisse auf die außer-'ordentliche Rührigkeit der ersten Verleger und auf die Größe des litte-rarischen Bedürfnisses der Bücherläuser; schwerlich wird das letztere vondem irgend einer andern Periode übertreffen. Mit dem 16. Jahrhundertfangen die Quellen an reichlicher zu fließen, wie sich das bei dcr Dar-stellung der Thätigkeit der Presse aus dem Gebiete der allgemeinen, theolo-gischen und juristischen Litteratur zeigen wird.

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