322
Mißkredit und Ende des Dcdikationsunfugs,
Winftcs
fürstliche Rat Lingelsheimer zu der Freigebigkeit des Würtembergers undschickte ihin zugleich wieder 80 Gulden pro twQorarid im Auftrag desKurfürsten. Am 4. Juli 1610 meldete der Theologe Rafael Eglinusin Marburg , daß ihm der Herzog Johann Adolf von Holstein für seinen„Kommentar zur Apokalypse" ein Honorar von 100 Dukaten geschenkthabe."
Übrigens benutzten schon gegen Ende des 16. Jahrhunderts Gaunerin betrügerischer Weise die Gewohnheit, für die Überreichung von BüchernGeschenke zu geben, wie dies aus Samuel Dilbaums „(Znacirixs-rtitsNistvria, ^mii 1594" hervorgeht. In der Widmung an Bürgermeisterund Rat von Kempten und Kaufbeuren sagt nämlich Dilbaum, er richtedieselbe unter anderm deshalb an jene, „daß ich mich bei E. E. und H.purgiere und entschuldige, da ich glaubwürdig berichtet worden, daßdem ehrenhaften und wohlweisen Herrn Bürgermeister der Stadt Kauf-beuren ungefähr vor einem Jahre ein Traktätlein von dem hohen Ritter-stand in meinem Namen, jedoch außer meines Wissens und Bewilligungauch ohne einigen Gewinnst zugeschrieben, übergeben und präsentiert wor-den ist. Wahr ist, daß ich selbiges Büchlein in Reimen gestellt, aberkeinem Menschen zugeschrieben noch verehrt habe. Weil dann solchesnoch wohlvermeldter Stadt Kaufbeuren geschehen, will ich nicht zweifeln,es werde die benachbarte und berühmte Stadt Kempten (nach Art undGewohnheit solcher fahrenden Gesellen, die ihre Namen, weil sie zu oftkamen, nicht brauchen dürfen) gleichfalls nicht überschritten, sondern ihrebnermaßen unter meinem Namen ernanntes Traktätlein fälschlicher-weise zugeschrieben und präsentiert worden sein."^
Der Unfug dauerte bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, wo erzuletzt zum offenen Bettel ausartete, unter welchem allerdings die kleinenund großen Reichsstädte mehr litten als die Fürsten , welche die Zurück-weisung der Bettler energischer und folgerichtiger durchzusetzen wußten.Er möge auch hier mit den wenigen, aber verständigen Worten abgethansein, in welchen der Senat der Freien Stadt Hamburg am 6. Juni 1798fortan das unliebsame Geschäft von sich wies. „Der Senat der Reichs-stadt", heißt es in der betreffenden Bekanntmachung, „sieht sich durch dieMenge der Einsendungen und Dedikationen litterarischer Produkte vonsehr ungleichem Wert, womit er seither überhäuft worden, veranlaßt,hiermit öffentlich bekannt zu machen, daß er künftig jede dergleichen ohne