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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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Kapitels

Verbreitung von Erasmus' Schriften.

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Lob der Narrheil" nur 60 noch nicht verkauft seien, und daß soforteine neue Auflage gedruckt werden müsse. Das Werk wurde bald einallgemein beliebtes Volksbuch, ins Deutsche und Französische übersetzt,von Gerhard Lystrius mit einem Kommentar, und von Hans Holbein mit Holzschnitten versehen und erlebte zu Erasmus' Lebzeiten im ganzen27 Auflagen. Einen noch größern Erfolg hatte seine Sprichwörter-sammlung (,AcIg.Zig,"). Es verlegten sie der Deutsche Johann Philippiund Jodocus Badius in Paris 1500 und 1502 zweimal, Aldus Ma-nutius seit 1508 achtmal, Froben 1513 bis 1539 zehnmal, MathiasSchurer in Straßburg 1509 bis 1520 elfmal und andere Pressen acht-mal, sodaß davon im ganzen 34 Auflagen zu je 1000 Exemplaren ver-anstaltet wurden. DieLdlloyuig." fanden einen Absatz von 24000Exemplaren; er erfolgte doppelt schnell, weil sich das Gerücht von einemVerbote derselben verbreitet hatte.

DerVvoadularius drsvi1o<zuus" (ein lateinisches Wörterbuch),welches Reuchlin im Auftrag von Johann Amerbach bearbeitet hatteund welches dieser wahrscheinlich 1475 oder 1476 zuerst herausgab, er-lebte bis 1504 nicht weniger als 25 Auflagen. Wenn auch das Musteraller spätern Wörterbücher, so wurde es von da ab doch nicht mehr ge-druckt, weil Nachahmungen und bessere Werke an seine Stelle traten.Der Erfolg der von Reuchlin 1506 geschriebenen Anfangsgründe derhebräischen Sprache war dagegen äußerst gering, ein Beweis dafür, wiewenig verbreitet damals das Studium des Hebräischen war. Reuchlinhatte dieKuÄimWts," in wahrscheinlich 1000 Exemplaren bei Anshelmin Pforzheim aus seine eigenen Kosten drucken lassen. Im Jahre 1510befanden sich davon noch 750 Exemplare auf Lager; Anshelm aber drangauf Bezahlung. Da wandte sich Reuchlin an Amerbach und bot ihm je dreiExemplare für einen Gulden zum Kauf an. Dieser entschloß sich endlichzur Übernahme, klagte aber bald über schlechten Absatz und bot Reuchlinden Rest für den dritten Teil seiner Barauslagen wieder an. Der Ge-lehrte aber hatte kein Geld und vertröstete den Verleger auf die Zukunft.Erst im Jahre 1537 wurde eine zweite Auflage des Buchs nötig. AdamPetri in Basel druckte 1525 von Bugenhagens Psalmenauslegung 3000Exemplare. Die Auflage war aber zu stark; man hatte auch von Witten -berg aus von Anfang au nur 1600 verlangt.^

Viel günstiger gestaltete sich das Verhältnis für die Verleger der