358 Anton Kobergers Briefwechsel mit Amcrbach und Petri. Mnftes
„Item, lieber Meister Hans, wisst, daß ein arm jämmerlich Wesenhier ist Unfriedshalber und zu besorgen, daß es täglich böser werde, unddarum bitte ich Euch freundlich, wollet Patienz mit mir haben. Ichwill thun Alles, das so mir möglich ist zu thun. Ich habe Wohl Geldzu Wien, auch zu Ofen in Ungarn, zu Breslau , zu Cracau, aber esist mir nicht möglich, in diesen Kriegslewsften einen Gulden auf Nürn-berg zu machen oder zu bringen. So kann ich auch meinen Dienernkein Buch an die End schicken."
Überhaupt warm die Zeiten wenig dazu angethan, einen größernAbsatz zu erzielen. Die neu erscheinenden Bücher überstürzten sich, dieBücherkäufer aber vermehrten sich nicht, zumal die Haupterscheinungender Litteratur vorzugsweise dem theologischen Gebiete angehörten. „Manhatt", schrieb Koberger 11. April 1503, „die Pfaffen So gannz außge-leret, mit den buchern so vil gelcz (Geld) von jn czogen, das nit mcrdar an wollen." Dann aber zogen sich die Kriegsstürme immer heftigerzusammen, sodaß von den Fürsten kein Geleit mehr zu den Messen zuerlangen war. Wenn später auch die äußern Konjunkturen besser wur-den und infolge dessen der Hugo für einige hundert Exemplare mehrKäufer fand, so blieb sein Absatz doch weit hinter den Erwartungen zu-rück; namentlich aber stockte derselbe ganz, als erst die Reformation sichder Geister bemächtigte und die alte theologische Litteratur so gut wieganz verdrängte.
Koberger machte im Laufe der Jahre noch manches große Geschäftmit Amerbach und Petri. Namentlich kaufte er ihnen einige ihrer gang-barsten Verlagsartikel ab, wie z. B. 1000 Exemplare der Werke desheiligen Augustin im Frühjahr 1506, um die Lager seiner Filialen inParis , Lyon und andern Städten zu vervollständigen; indessen ließ erbei Amerbach und Petri kein einziges Buch mehr drucken. Fortan be-diente er sich ausschließlich der lyoner und straßburger Pressen; er wargewitzigt worden. Was Koberger übrigens als Drucker und Verlegergeleistet hat, ist noch nicht überholt. Die Nachteile, unter welchen ervielfach leiden mußte, wurden andererseits eine Zeit lang durch schwer-wiegende Vorteile wieder ausgeglichen. So druckte er, mit wenigenAusnahmen, in einer einzigen gelehrten Sprache uud hatte einen unddenselben Kundenkreis, deshalb auch ein und dasselbe national nicht ge-schiedene Absatzgebiet, kurz, einen großen internationalen Markt. Aber