Sechstes Kapitel.
Der Buchhandel in seinem Verhältnis zum Humanismus.
Renaissance und Humanismus. — Phasen des Humanismus. — Humanistisch-theologische Periode. (Brüder vom gemeinsamen Leben.) — Humanistisch-wissen-schaftliche Periode. — Erasmus. — Aldus Manutius . — Seine Verlagsthätigkcit.— Verbindungen mit den deutschen Humanisten. — Beziehungen zu Erasmus. —Zu Rcuchlin. — GeschäftsbeziehiMgen zu Deutschland . — Geschäftliche Leistungenund Erfolge. — Johann Froben. — Humanismus in Erfurt . — Die humanistisch-polemische Periode. — Streit mit den Dunkelmännern. — Die Lxiswlss ovsou-rorum viroruin. — Schluß.
Die Morgenröte eines neuen Tages brach an, als Italien , die alteLehrerin Europas , durch Wiederbelebung der klassischen Studien eineuntergegangene schöne Welt aus dem Schutt ausgrub und die strebsamenGeister zu edlern und idealern Anschauungen emporhob. Die Mensch-heit fing eben wieder an, sich auf sich selbst zu besinnen und dem Gängel-band des Pricstertums zu entwachsen. Neben der Kirche, welche bisherdas Abendland zusammengehalten hatte, entstand jetzt ein neues geistigesMedium, welches — mit Jakob Burckhardt zu reden ^ — von Italien hersich ausbreitend zur Lebensatmosphäre für alle höher gebildeten Europäerwurde Diese Richtung, welche in ihrem Geburtslande Renaissancehieß und dort die besten Kreise durchdraug, entwickelte sich auf deutschemBoden als Humanismus und fand namentlich unter den Gelehrten undder studierenden Jugend ihre begeisterten Anhänger, welche durch gründ-liches Studium der klassischen Sprachen eine höhere Bildung anzubahnenund eine Reformation der Wissenschaft hervorzurufen suchten. Der Ita-liener der Renaissance ist der vornehme Herr, welcher keine Schrankenfür sein persönliches Belieben kennt, den Ruhm als das höchste aller