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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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386 Thomas Anshclms Nachdrucke. Aldus! Nachfolger. ^Sechstes

folgenden Auflagen dieser Nachdrucke beweisen, daß sie bessern Absatzfanden als die schönern Originalausgaben selbst. Wenn zwar den un-lautersten Motiven ihren Ursprung verdankend, so haben doch auch dieseNachdrucke das Studium der Alten mächtig gefördert und wenigstensdie Anforderungen nicht wieder heruntergedrückt, welche seit den Aldinenan Texteskritik und äußere Ausstattung gestellt wurden.

Auch Thomas Anshelm in Tübingen druckte im März 1514 unteranderm die Aldinische Ausgabe der Erasmischen Sprichwörtersammlungfür Ludwig Horncken in Köln nach. Was Erasmus besonders dabeischmerzte, war der Umstand, daß der weniger Ersahrene sie für einenOriginaldruck des berühmten Venezianers halten konnte. Denn Ans-helm hielt sich bei allen Nachdrucken Aldinischer Ausgaben stets sklavischan die Vorlage; strebte er doch nach dem Ruhm, der deutsche Aldus zuheißen. ^ Außerdem hatte er im März 1512 die Lateinische Elementar-grammatik, Aldus' eigene Arbeit, und im Juli einen Teil der von dem-selben schon 1495 veröffentlichten Grammatik des Lascaris,Ds liteiisZrÄövis g-o äipntnoiiAis" nachgedruckt. Die 1508 erschienenen vierBiicher der lateinischen Grammatik von Aldus, welche AnShelm imApril 1516 ebenfalls herausgab, enthalten zwar zum Teil eine Be-arbeitung für deutsche Studierende, sind aber wiederum so genau ab-gedruckt, daß selbst das 'auf dem Titel mit angeführt wird (cle literisßi-Äkeis), was Anshelm in seiner Ausgabe wegließ. Trotzdem hat sichAldus nie über Anshelmö Nachdrncke beschwert, sie anscheinend gar nichtbeachtet, offenbar deshalb, weil sie ihm gar nicht oder nur wenig ge-schadet haben.

Nach Aldns' Tode führte Andrea Torresani aus Asola, sciu Schwieger-vater, das Geschäft bis 152!» für Rechnung der Erben unter der FirmaIn ^säii)u« ^Icli et ^nckreav Koeeri" fort. Andreas starb in diesemJahre und Paitt Manutius , der dritte Sohn des Aldns, übernahm mmbei seiner im ^ahre 15:;:; erreichten Großjährigtcit das Geschäft unterder FirmaIn ^V<zc1idn8 liersclnm ^lili et ^nckre^e ^soilini Loeeri".Dieses Verhältnis, welches übrigens nur wenige Verlagswerke entstehensah, dauerte bis 1540, von wo ab ,,^1<1i 1''i1ii", Sohn und Enkel desberühmten Gründers, die Druckerei fortsetzten. Beide waren Gelehrteersten Ranges. Paul staud jahrelang einer in Rom errichteten großenpäpstlichen Offizin vor und starb 1578. Sein Sohn, der 1547 geborene