402
Tie „lZ^istolno iiliüc'iirormn virnrum".
sScchstcs
Der Hauptantcil an diesem Siege gebührte den litterarischen Waffen,unter ihnen vor allen jener unsterblichen Satire, den im Gegensatz zuden eben erwähnten Briefen sogenannten „Lpistolke oiZ8ouioruiQvirnimru", deren erster Teil Ende 1515 und deren zweiter AnfangIül7 erschienen war. Sie gingen von dem erfurter Humanistcnkreise,den Freunden des MntiannS NufuS, aus. Obwohl sich über ihre Ver-fasser nichts Bestimmtes sageu läßt, so kaun man doch mit ziemlicherSicherheit annehmen, daß Crotns RnbiannS hauptsächlich den erstenBand geschrieben hat, während an dem zweiten offenbar Ulrich vonHütten , PetrejuS Eberbach und EobanuS Hesse vorzugsweise gearbeitethaben. Der dritte, gegen Ende des 17. Jahrhunderts erschienene Bandist keine Originalarbeit nnd tritt bloß den Witz seiner beiden Vorläuferbreit. Auch über Druckerei und Drucker siud die Leser durch absichtlichfalsche Angaben irregeführt worden. Die- erste Sammlung (in Quartgedruckt) sagt, daß sie in Venedig bei Aldns Manitius (absichtlich so,statt Manntins) erschienen sei: anch ein Beweis dafür, welch hohen An-sehens sich die Aldinische Firma unter den deutschen Humauisten erfreute;die zweite nennt in leichtverständlichem Hohn -die römische Kurie als denVerleger. Die Annahme, daß die Läit>io iirinoczxs in Köln, Mainz oder Tübingen gedruckt sei, ist neuerdiugö von Steifst schlagend widerlegtworden. Sie wurde vielmehr 1515 durch W. Nngsts Vermittelung vonHeinrich Gran in Hagenau (nicht von Thomas Anöhelm) und die zweiteSammlung von Johann Froben in Basel gedruckt. Die Briefe fandeneircn so reißenden Absatz, daß in dem einen Jahre 1516 vom erstenTeil drei Auflagen erschienen, deren letzte noch eine nicht unbeträchtlicheVermehrung durch acht Briefe enthält, wie denn auch der zweite Teilverschiedene Ausgaben erlebte.
Die Satire war in Anlage und Durchführung trefflich gelungen.Ihre Ha.uptabsicht ging dahin, den Obskurantismus in seiner ganzen Ohn-macht an den Pranger zu stellen und der Bildung und Geistesfreiheitden ihr gebührenden Sieg über Barbarei und mittelalterliche Verketze-rungssucht zu sichern. Das schlechte Mönchslatein, die sclbstgcschaffcnenWörter und Redensarten, die unnützen, lächerlichen und doch mit großerWichtigkeit behandelten Streitfragen, die albernen Spitzfindigkeiten, ge-suchten Erklärungen und Allegorien, die krasse Unwissenheit, der thörichteAberglaube, die hohle Aufgeblasenheit und kindische Eitelkeit, der Miß-