408 Die deutsche Litteratur von 1SI8 bis 1523. Die Flugschriften. ^Siebentes
Nach Luthers Auftreten steigert sich die Zahl der deutschen Schriftenwie folgt: es verzeichnen, beziehungsweise ergänzen
nr die Jahre
Panzer
Weiter
Kuczynsti
in Summa
1513
71
74
1
146
1519
111
138
3
252
1520
203
353
10
571
1521
211
294
18
523
1522
347
307
23
677
1523
498
418
28
944
Gcsamtsnmiueu:
1446
1584
83
3113.
Der Druck dieser Werke verteilt sich über ganz Deutschland unteretwa 50 verschiedene Städte. Auf das vorher als Bcrlagsort gauzunbedeutende Wittenbcrg kommen allein in den Jahren 1518 bis 1523an 600 verschiedene Drucke.
Bis auf Luther waren die in Deutschlaud gedruckten Bücher in derRegel große und teuere, meist vornehm ausgestattete Folianten oder auchQnartantcn, welche mau bequem in den Bibliotheken nach damaligemBrauch an die Kette legen, aber nicht in die Welt hinauöschleudernkonnte, wie die handlichen Oktavbände. Er vorwiegend führte zuerst dasdemokratische Flugblatt in Quart, die billigen Duodez- und Oktavschriftcuvon wenig Bogen massenhaft in die deutsche Litteratur ein. Auch daö wareine revolutionäre That, die vielleicht ebenso entscheidend auf die Ge-schicke der Menschheit einwirkte, wie im Kriege der leichte Fußsoldat, derden gepanzerten Ritter verdrängte, und wie im modernen Wirtschafts-leben die Sicbenmeilcnsticfel der Eisenbahn, welche den alten Frachtwagcnüberflügeln. Wenn auch früher schon oft genug, wie von den Huma-nisten, derartige kleine Drucke veröffentlicht worden waren, so geht Lutherdoch planmäßig vor und ist vielleicht, sich selber unbewußt, durch Aldi-nische Einflüsse bestimmt worden. Eine solche Verwendung seines hand-lichen Formats für kirchenfeindliche Zwecke hatte sich der gläubige vene-zianische Verleger sicher nicht träumen lassen. Indem Luther das heftigeKleingewehrfeuer der politischen und kirchlichen Flugschrift gegen dasschwere Geschütz der Quartanten und Folianten eröffnete, erhob er erstdie Buchdruckerkunst zu ihrer eigentlichen Bedeutung und gewann in ihreinen tausendzüngigen Herold, den keine mündliche Propaganda ersetzenkonnte. Lehre und Predigt allein thun es nicht. Sie dringen im