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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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Die Evangelisicrung Österreichs .

^Siebentes

Luthers , Ökolampadins', Zwingli's m?d anderer dergleichennever ver-füerisch lerer pücher anzunehmen, zu halten, zu kaufen, zu verkaufen, zulesen, abzuschreiben, zu drucken noch drucken zu lassen", allein das Ver-bot reizte nur noch mehr zum Studium derselben. Jakob Peregon, Pfar-rer am Bürgerspital, rühmte sich, 50 Luthersche Schriften zu besitzenund sie fleißig zu lesen. Eifrig wurden dieselben auch nachgedruckt, z. B.Am Schöne Predig von zwaherlah gerechtigkeit" (1520) undAinepredig von dem Seligen stand", ebenso lutherisierende Schriften, wiez. B. die Eberlins von Günzburg . Österreichische Studenten besuchtendeutsche Universitäten, namentlich Wittenberg , gegen den Willen der heimi-schen Regierung. Von Luthers erstem Auftreten an bis unmittelbar nachseinem Tode, zwischen 1523 und 1548, studierten hier 66 Österreicher,darunter 38 Wiener und verschiedene Angehörige des ständischen Adels.Natürlich brachten sie von der Quelle des Luthertums auch dessen ge-.druckte Lehren und Schriften nach Hause und verbreiteten sie hier, seies im Original, sei es im Nachdruck, unter die Massen. Während desganzen 16. Jahrhunderts kümmerte man sich nicht um das Verbot desStudierens im Auslande. So planmäßig Ferdinand und seine Nach-folger auch vorgingen, so zielbewußt ihnen die seit 1551 ins Land ge-rufenen Jesuiten bei ihren gegenreformatorischen Angriffen halfen, dieneue Lchre griff während der ersten fünfzig Jahre nach ihrem Aufkom-men immer weiter um sich. Die lutherischen adeligen Stände fandenzugleich ihren Vorteil in der Aneignung des Kirchenguts und brachtenes im Anfang des 17. Jahrhunderts bis zur Anerkennung der vollenGewissensfreiheit, die natürlich mit dem Dreißigjährigen Kriege wiederzu Grabe getragen wurde. Diese Zeit gehört nicht mehr hierher, alleinin der ganzen ihr voraufgehenden und auch in der spätern Periode istdie systematische Verfolgung der Lutherschen Litteratur bis in den engenKreis der Familie das erste Augenmerk der weltlichen und geistlichenBehörden, die nur zu gut wußten, daß sie ihren Gegnern die Wurzelnder Kraft raubten, wenn sie ihnen auf die Dauer die geistige Nahrungentzogen. Die katholischen Gegenreformatoren siegten mit ihrer zähenEnergie, aber ihrxerinäs ao caclaver" war nur durch Vernichtungdes Buchhandels zu erzwingen.

Auf die Nachdrucker folgten die Buchführer. Jene würden sich derTageslittcratur nicht so zahlreich bemächtigt haben, wenn diese nicht den