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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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434 Die Buchführer, ihre Parteistellung, ihr Geschäftsbetrieb. ^Siebentes

ließen, einerlei, wo und ob sie dereinst landeten, und endlich catilinarischeExistenzen, welche das Leben für kaum mehr als einen schlechten Witznahmen, oder durch alle denkbaren Hindernisse möglichst glatt Hindurch-zugleiten wußten. Besonders gefährlich aber wurden solche von Haßgegen das Bestehende beseelte Buchführer durch die zielbewußte Auswahlder von ihnen vertriebenen Schriftem Unermeßlich war daher der vonihnen auf die Gemüter ausgeübte Einfluß. Wo während der Reforma-tionszeitetwas los war", da tauchten auch die Buchführer wie dieSturmvögel aus und wieder unter. Der Kampf und die Revolutionwaren das Element, in welchem sie'sich am wohlsten fühlten. Manhört nur ausnahmsweise von katholischen Flugblättern, welche von Buch-führern vertrieben wurden, meistens nur von Verbreitern Lutherscher oderlutherisierender Schriften. Wo nur einer dieser Leute genannt wird, dagehört er zur revolutionären Partei, und in der That gibt es kaumeinen Sitz der Bewegung, wo man ihrer nicht einen oder mehrere findet.So tritt z. B. in Rothenburg a. d. Tauber 1524 ein Buchführer undBuchdrucker Kunz Kern auf, der nach dem Siege über die Bauern mit40 Gulden gestraft und aus der Stadt verwiesen wird. Ein anderer Aus-rührer, auch Buchführer, Bernhard Schmidt, teilt dasselbe Schicksal mitihm und darf alsausgetretener" (entflohener) Bürger nicht wieder-kommen." Auch in den spätern Wiedertäufer-Unruhen im NordenDeutschlands schüren die Buchführer das Feuer und drängen das Volkzur That, so z. B. 1533 und 1534 in Westfalen ein Peter aus Lipp-stadt , welcher als Buchführer durch das Land zog und den Massen diewiedertäuserischen Lehren verkündigte.

In ihrem Geschäftsbetrieb knüpften diese hausierenden Buchführer ganzan die Gewohnheiten der alten Handschriftenhändler und ersten Buch-führer an. Auf Märkten und vor den Kirchen, in Schenken hierselbst, wie in Breslau geklagt wird, ihre Ware ausspielend und aufoffener Landstraße, in Universitätsstädten an den Thüren der Kollegienund Bursen suchten sie ihre Käufer. Dabei hatten sie wieder ihre Ge-hilfen, Jungen und Frauen, welche mit den Flugschristen in die Häuserliefen oder sie auch, mit unverdächtigen Büchern zusammengeheftet, inden Gassen verkauften. Gustav Frehtag hat in seinemMarkus König"ein recht anschauliches Bild dieses Hausierhandels gegeben, welches denCharakter des Geschäfts treu widerspiegelt.