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Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
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446 Entwickelungsgang der Stellung der Schule. ^Siebentes

barischen Zeiten des Mittclalters" keine Schulen gegeben habe, und rech-nen deren Einrichtung überhaupt erst der Reformation als wesentlichesVerdunst an. Diesem Irrtum schlagen die Thatsachen überall ins Ge-sicht. Die Kirche errichtete vielmehr und förderte in ihrem eigenen Inter-esse Unterrichtsanstalten aller Art, von den Elementar - (Pfarr - oderKüster-)Schulcn an bis hinauf zu deu oft vortrefflichen Domschulen undUniversitäten. Bereits im 13. Jahrhundert mußten die Küsterschulennach einem bestimmten Lehrplan die Jugend im Lesen und Schreibenunterrichten; aus den lateinischen Schulen aber sind die ältern, zum Teilnoch bestehenden deutschen Gymnasien hervorgegangen, und die späternHochschulen bilden in ihren wesentlichen Einrichtungen vielfach die Fort-setzung der mittelalterlichen Universitäten. Natürlich dienten jene Schu-len in erster Linie kirchlichen Zwecken. Das Kind mußte der Muttergehorcheu und deren Einfluß auf das Volk verstärken helfen, ein Ver-hältnis, welches sich um so natürlicher entwickelte, als zu jener Zeit dieKirche die einzige geistige Macht war, welcher man sich gern unterwarf.Auch die protestantische Kirche behandelt die Schule als ein ihr vonRechts wegen gehörendes Gebiet und sucht selbstredend in ihrem eigenenGeiste auf sie zu wirken. Sie tritt also in dieser Frage nicht in be-wußten Gegensatz zum Katholizismus, sondern geht nnr insofern über ihnhinaus, als sie die Schule als Selbstzweck gelten läßt und durch sie demSchüler eiue Mitgift fürs ganze Leben gibt, während die katholischeKirche den Unterricht als bloße Beigabe zur Seelsorge ansieht und indiesem Sinu den Schüler für ihren Zweck modelt. Der Protestantis-mus erweitert den Begriff der bisherigen begrenzten, kirchlichen Schulezur nationalen Volksschule. Das ist der mächtige Unterschied zwischenden beiden Weltanschauungen! Wie die lutherische Kirche sich der Staats-gewalt unterordnet, so muß ihr auch die Schule folgen. Der Staatverallgemeinert im Laufe der Jahre den Unterricht und führt teilweisesogar für das ganze Volk den Schulzwang ein. Die protestantischeSchule erhält eine von der Kirche mehr unabhängige und freiere Stel-lung und wird nationale Bildungs- und Erziehungsanstalt. Ihre katho-lische Schwester hingegen bewegt sich nur innerhalb der von Rom ge-zogenen Grenzen und begünstigt eine mehr schabloncuartige Bildung,welche vielfach das individuelle Leben verwischt. Der Katholizismusstützt seine Herrschaft auf eiu möglichst großes Laientum, welches in