Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
Entstehung
Seite
464
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404,

Henry Estieiinc über die frankfurter Messe.

sAchtes

Während der Messe aber war es diesen gestattet, an NichteinheimischeWein zn verkaufen, wenn er unverfälscht war. In den Weinstuben gabes zu dieser Zeit auch keine Polizeistunde, überall ging es hoch her, undGelage und Zechereien dauerten meistens bis zum Morgen. HeinrichStephanus (Henry Estienne, 1528 bis 1598) aus Paris (später inGenf und zeitweise in Augsburg ), gleich berühmt als Buchdrucker wieals Gelehrter, war seit 1572 ein ziemlich regelmäßiger Besucher derfrankfurter Messen. Sie gehörten so sehr in seine geschäftlichen Berech-nungen, daß er noch 1571, im Jahre vor dem Erscheinen seines?K6-skurus Frasos-s" an den Arzt Crato von Krafftheim schrieb:

das Werk werde nicht vor der nächsten frankfurter Messe herauskommen.Er verherrlichte den frankfurter Meßverkehr auch in einer kleinen, 1574erschienenen Schrift:?rg,llvotoräikiisö Lmporium s. IrANLotorZielisssXunäwae", und schildert darin die günstige Lage der Stadt für denMeßverkehr, das liebenswürdige Entgegenkommen der Frankfurter , dieAnnehmlichkeit des dortigen Aufenthalts, die Unparteilichkeit der Gerichteund den großartigen Verkehr der aus aller Herren Länder hier zu-sammenströmenden Fremden. Gibt er auch mehr allgemeine Gesichts-punkte als Thatsachen, so macht er doch den Eindruck eines zwar be-geisterten, aber immerhin wahren Berichterstatters, dessen Angaben auchanderweitig bestätigt werden. Aus der poetischen Sprache des Stephanusin die nüchterne Prosa des täglichen Lebens übersetzt, erfährt man also,daß die Schriftsteller, Dichter und Gelehrten zur Zeit der Messen mitden Buchhändlern und Buchdruckern nach Frankfurt strömten und sichnamentlich in dem der Litteratur bestimmten Stadtteil (der Buchgasse)zusammenfanden.Daher kommt es", möge jetzt Stephanus selbst dasWort ergreifen,daß man auf dieser litterarischen Messe über Dingeunterrichtet wird, über die man sonst auf allen Bibliotheken vergeblichNachrichten sucht. Jeder vernimmt das lebendige Wort der vielen Lehrervon den verschiedensten Universitäten, man hört sie mitunter in den Lädender Buchhändler ebenso ernsthaft philosophieren, wie früher Sokrates undPlato mit ihren Schülern inmitten des Lyceums. Aber nicht nur Philo-sophen entsenden die berühmten Universitäten von Wien, Wittenberg ,Leipzig, Heidelberg, Straßburg und unter den ausländischen Löwen,Padua, Oxford und Cambridge hierher nach Frankfurt , sondern auchDichter, Redner, Geschichtschreiber, Mathematiker und solche, welche in