welt reichten zu weit, als daß es selbst den Stürmen des DreißigjährigenKriegs gelungen wäre, ein so mächtiges Getriebe mit einem Schlagegänzlich stillzustelleu.
Langsam, aber unaufhaltsam, hatte sich vielmehr im Verlaufe des Kriegsdieser Niedergang des Buchhandels entwickelt; es war ein langsames Ver-bluten, jeweilig verschärft noch durch besondere, den geschäftlichen Verkehr be-sonders schädigende Einflüsse. Gleich die erste Periode des Kriegs brachteden Sieg der Gegenreformation in den österreichischen Erblanden. Gegen-über dem sonst in den Buchhändlerdenkschriftcu älterer Zeit oft genugnur zu stark auftretenden Farbcuauftrag sagen die leipziger Buchhändlerverhältnismäßig sehr gemäßigt darüber in einer Eingabe vom 3. März1667, daß „vor dcu Kriegs Zeiten und do in dem Königreich Böh-men, Oesterreich, Schlesien , Mehren nnd andern Keyscrlichcn Landen, dasBabstumb noch nicht eingeführet gewesen, ein großer Abgang von gutenLutherischen Büchern gewesen, scithero aber alles rstorrniret, ist ohneUnsern erinern hieraus auch zu schließe:?, daß auch hierdurch Unsere Nah-rung nicht wenig geschwächct worden."^ Anfänglich zwar war es nochmöglich, die betreffende Litteratur auf Um- und Schleichwegen einzu-schmuggeln; die Gebrüder Johanu und Heinrich Stern in Lüneburg be-merke» noch im Jahre 1637, daß selbst damals noch „auß Oesterreich ^.o.1626 bey spcrrung der Donau über Salzburg ! auch aufs Sawm Straßendurch Tyrol vnsere Verlage zutragen, von hieraus auf Nürnberg ! gefor-dert" worden seien. ^ Aber lange dauerte dies nicht mehr: der Sieg derJesuiten ward zu einem unbestrittenen, dem norddeutschen Verlagsbuch-handel war definitiv ein großes Absatzgebiet verloren.
Es ist schon darauf hingewiesen worden, daß sich seit dem letztenDrittel des 16. Jahrhunderts der geschäftliche Verkehr der Buchhändleruntereinander auf die Messen centralisiert hatte. In dem das ganzeReich wild und wüst durchtobenden Kriegsgetümmel war derselbe baldin Frankfurt, bald in Leipzig gehindert, wurde er bald hier, bald dortvon der gerade herrschenden Partei gemaßregelt, wurde der Handelsver-kehr gelegentlich ganz zur Unmöglichkeit oder, auf weite Umwege ge-wiesen, die Reise zur Messe, wie das bereits erwähnte Geschick Wolf-gang Endters des Ältern von Nürnberg zeigt, gefährlich. Selbst die be-deutendsten Verlagsfirmcn mußten da in Verfall geraten, und beweglichgenug schildern Thomas Schürers Erben in Leipzig , eine der bedeutendsten