Kapitel.) Ehrgeiz, Kleinlichkeit und Geiz im Geschäftsgebaren.
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Alle diese Männer hatten natürlich ihre Neider und Feinde und warenbis auf den zuletzt genannten wenig beliebt, aber in dem einen Pnnktgroß: in der Liebe zu ihrer Kunst und zu ihrem Beruf, welchem sie vomersten Auftreten der Familie an einen wahren Kultus widmeten. Siebetrachten es als ihre Lebensaufgabe, technisch möglichst vollendete Druckezu liefern, und arbeiten mit einer Ausdauer und Geduld auf dieses Zielhin, welches selbst den Hintergedanken eines kaufmännischen Gewinnsauszuschließen scbeint. Stolz auf ihre Arbeit, rühmen sie sich ihrer mitvornehmem Selbstgefühl und rufen nicht allein das Urteil ihrer Zeit-genossen, sondern auch der Nachwelt an: „I^idsntsr ciuioquiä oxus sst,snäieio ctootorum g.o postoritg-t-is maxims rLruitt-irrms." So wirddenn ihr ganzes Thun auch von einem edeln Gefühl persönlicher Ehreund Verantwortlichkeit getragen, und selbst ihre kleinen Schwächen fallenihren großen geschäftlichen Tugenden gegenüber kaum ins Gewicht. Nament-lich ist es Bonaventura, welchem sogar von seinen Frcun.dcn schmutzigerGeiz, Mangel an Aufrichtigkeit und Ablehnung jeder moralischen Ver-bindlichkeit vorgeworfen wird. So berechnete er 1639 dem JohannFriedrich Gronovius 15 Sons für Porto eines Briefs, welcher von Sei-den einem an die Elseviere gehenden Paket beigeschlossen gewesen war.Und doch enthielt dieser Brief nur Mitteilungen über eine Ausgabe desLivius, welche Gronovius auf Bitten der Elseviere für sie sogar ohnejedes andere Honorar als 12 Freiexemplare vorbereitete. Nikolaus Hein-sius, auch ein Freund der Firma, bittet 1643 in deren Namen Grono-vius die Vorrede zuni Livius zu beenden und fügt höhnisch hinzu: „Wasnun die Widmungseremplare betrifft, so glaube ich fast, daß die Geiz-hälse sich diese selbst vorbehalten wollen" (d. h. daß der Verleger nichtallein nichts zahlt, sondern die für jene Widmungseremplare etwa ein-gehenden, dem Verfasser gebührenden Ehreugeschenke in die Tasche steckenwill). Heinsius las dem Johann Elsevier eines Tags in Paris aufoffener Straße den Text wegen Zurückhaltung eines für einen ihrerGeschäftsfreunde bestimmten Freiexemplars, sodaß der Verleger erröteteund das bisher Versäumte noch nachträglich zu erfüllen versprach. Nir-gends genoß deshalb auch die lehdcncr Firma Liebe und persönliche Zu-neigung. Wenn selbst die befreundeten Gelehrten sie Kvmüiss g.vg,ri,Aswtlssinai worts-lss nannten, wie werden da erst die Beschuldigungender Gegner gelautet haben.
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