Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels bis in das siebzehnte Jahrhundert : mit 3 lithogr. graph.-statist. Taf. / Friedrich Kapp. Aus. d. Nachlasse d. Verf. hrsg. von d. Histor. Komm. d. Börsenvereins d. Deutschen Buchhändler
Entstehung
Seite
554
Einzelbild herunterladen
 

554

Ausbildung der Ceusurmaßrcgclu. Harte Srrafm. fNeuntcs

Anforderungen an sich und andere. In eine Welt v»A Sittlichkeit undTrägheit brachten sie eine Lehre, welche die Entsagung ^v-'Selbstver-leugnung nicht allein als obersten Grundsatz aufstellte, sondek« ihre Ver«trcter auch Leiden standhaft ertragen ließ und in den Tsd trieb.

Ihr Hauptrepräsentant ist Balthasar Hnbmaier. Sein tragisches Endeist bereits im siebenten Kapitel geschildert worden; seine Gattin und zweiseiner Gesinnungsgenossen hatten sein Los geteilt. Aber ungeachtet dieses-grausamen Vorgehens ließen sichdie verdammten sektischen Lehren undOpinionen" nicht so leicht vertilgen. Am 24. März 1528, nnr 14 Tagenach der Verbrennung Hubmaiers, äußerte Ferdinand in einem neuenMandat seinen Unwillen darüber,daß die Lehre Luthers , Zwingli's,Karlstadts und Ökolampads noch nicht abgestellt sei, sondern wie augen-scheinlich am Tage, je länger je mehr einrerße, wachse ulid.sich mehre".Auch die Berichteder ambulanten Visitatores und Jnquisitorcs" ließenkeinen Zweifel darüber bestehen, daß trotz aller Bemühungen die ketze-rischen Schriften nicht abgeliefert, sondern eifriger als vorher gelesenwurden. So verordnete Ferdinand denn noch in demselben Jahre, am24. Juli, daß man Buchdrucker, welche sektirerische Schriften druckten,und Buchführer, die sie verkauften, als Hauptverführer und Vergifteraller Länder bei ihrer Betretung in den Erblanden unnachsichtlich er-tränken, ihre verbotenen Bücher aber verbrennen sollte. Zugleich befahler sogar 42 Jahre früher als die Reichspolizeiordnung, daß Buch-druckereien nur in den Hauptstädten der Provinzen geduldet werden soll-ten und berief in Niederösterreich den Statthalter und Regenten, in denandern Provinzen die Landeshauptleute zu Vollstreckern der angeordnetenMaßregeln. Keine Schrift sollte ohne vorläufige Genehmigung von feitendieser Beamten in Druck gelegt werden. Nicht zufrieden niit dieser Schutz-maßregel, setzte Ferdinand wieder einige Monate später, am 5. November1528, eine Censnrbeh'örde ein, zn welcher als erstes Mitglied der Bischofund als zweites der Bürgermeister von Wien gehörten. Sie sollte allezu druckenden und zu verkaufenden Bücher vorher erst einsehen und even-tuell zulassen und konnte Übertreter sogar am Leben strafen, auch dieBücher verbrennen lassen. Indessen scheint die neue Behörde gar nichtin Thätigkeit getreten zu sein, wenigstens läßt sich kein Beleg dafür nach-weisen.

Im folgenden Jahre, 1529, machte die Gefahr, welche von den bis