Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
56
Einzelbild herunterladen
 

56

2. Kapitel: Sturm und Drang : der Nachdruck.

und in der mannigfaltigsten Weise variierten: die Kontanthändler seienMonopolisten ", d. h. sie erschwerten den Rcichsbuchhnndlern aufs äußerstedurch Steigerung der Preise, Verminderung des Rabatts und eine Ver-kürzung des Kredits, die bis zur Forderung der Barzahlung ging, denBezug ihrer Verlagsartikel.

Es war damals, daß sich die Kluft zwischen den beiden in der Ent-wickclung begriffenen Bcrufszweigcn des Verlags und des Sortimentsaufthat.Sic wollen allcine die Kaufherren bleiben und uns nichts weiterübrig lassen, als die Ehre, ihre Krümer hierausscn vorzustellen, ihreübcrthcurc Waare ohne allen Profit zu empfehlen und abzusetzen, undihnen das, mit unendlich saurem Schweiße dafür gesammelte Geld, ohneallen Dank, vor die Thürc zu liefern." Eckcbrecht legt ausführlich dar,wie allein aus dem Bargeschäft mit niedrigem Rabatt, ganz abgesehenvon der Höhe der Preise, der Ruin des Reichsbuchhandcls mit mathe-matischer Gewißheit folge. Er nimmt eine Buchhandlung mit einemjährlichen Sortimcnts-Verschluß" von 5000 sl. an. Nach seiner Schätzungkamen damals hiervon durchschnittlich ^ durch Tausch- und ^ durchkontante Artikel ein, so daß also der Umsatz vom Tauschgut 3000, der-jenige von den Kontantartikeln 2000 sl. betragen würde. Setzt man dieletztern Artikel mit einem Rabatt von 25"/ an, so würde das Kon-tantsortiment im Ankauf 1500 fl. gekostet haben 1000 fl. davonwürden nach Ober- und Nicdcrsachsen gegangen sein und im Verkaufeinen Bruttogewinn von 500 fl. ergeben. Um auch den erhöhten Rabattvon den einige Kontanthandlungen gewähren, zu berücksichtigen,

rechnet er dazu noch 75 fl. hinzu. Wie hoch belaufen sich nun dieHandlungsunkosten? Eckcbrecht berechnet sie auf nicht weniger als 1650 fl.,also 33 "/g des Gesamtumsatzes. Davon würden ^/g, also 660 fl. durchdas Kontantsortiment zu decken sein, da aber der Bruttogewinn ausdiesem nur 575 fl. beträgt, so erscheint ein Verlust von 85 fl.

Eckcbrecht weiß den Verlust, den die Reichsbuchhändler durch dieKoutanthändlcr erleiden, in noch grellerer Beleuchtung erscheinen zulassen. Deraltherkömmliche Preis" eines Buchs sei das Vierfache derUnkosten. Könnte also der Neichsbuchhändler die 1500 75 1425 fl.zu eigenem Verlage anwenden, so könnte er 5700 fl. dabei herausdrücken.Kauft er dagegen dafür Kontantartikel, so erhält er, wie oben gezeigt,2000 sl., also 3700 sl. oder innerhalb eines Zeitraums von 25 Jahren