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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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196 4- Kapitel: Der Durchbruch der neuzeitlichen Organisation.

systems im Süden und im Norden kam als zweiter für diese Ver-schiedenheit bedeutungsvoller Faktor der Nettohandel Norddeutschlandshinzu, sowohl unmittelbar, wie mit allen an der Trennung der Leipziger und Frankfurter Sphäre arbeitenden Folge- und Begleiterscheinungen,die mit diesem Begriffe verknüpft sind. Die im ganzen für ganzDeutschland gleichmäßige, für den Leipziger Meßbezirk sogar besonderswichtige vorreichsche Anfangsentwickelung des Kouditionssystcms wurdedurch den Gegensatz zwischen Sachsen und dem Reiche: durch das Ein-gehen des persönlichen Meßverkehrs im Süden, das Emporkommen desNettohandels im Norden nach zwei verschiedenen Richtungen auseinandergetrieben. An und für sich war es leicht denkbar, daß eine rein for-male Verschiebung, bestehend in dem Eingehen der einen Messe und dergrößern Schwierigkeit für die Buchhändler ihres Kreises, die andere zubesuchen, durch einen verstärkten Verkehr pro uoviww und in Kom-mission ausgeglichen wurde. Aber es war ja viel mehr als eine bloßeformale Verschiebung, 'es war der Ausdruck eines tiefgehenden littera-rischen und buchhändlerischen Interessengegensatzes, der zu einer wahrenSpaltung des deutschen Buchhandels zu führen im Begriffe war.

Die zeitgenössische Anschauung, die das Konditionssystem auf derFrankfurter Messe Entstehen und von da auf die Leipziger Messe über-tragen werden ließ, stellt die Geschichte dieser Verkehrsart weiter so dar,daß sie etwa bis zu Reichs Abschied von der Frankfurter Messe er-freulicherweise stetig sich gleichmäßig über ganz Deutschland zu ver-breiten begonnen hatte. Es war das beste, was dem deutschen Buchhandelund der deutschen Litteratur geschehen konnte! In dem Konditions-tauschverkehr, dem Siebe, das die Novitäten durchsiebte, der Worfschaufel,die die Spreu vom Weizen sonderte, erstand das Mittel, das am Werkewar,den deutschen Buchhandel zu heben und Litteratur ausserordentlichzu befördern", dieelenden Schriften nach und nach zu verdrängen"wenn nicht ein feindseliger Dämon, oder eigentlich der KaufmannsgeistUnkraut unter den Waizen gestreut hätte". ^

Der Nettohandel bediente sich, wie der gesamte norddeutsche Buch-handel, der Leipziger Messe , und was auf der Messe genommen wurde,gleichgültig, ob auf der Leipziger, Frankfurter oder was sonst für einer,war, weil es nicht unverlangt war, fest genommen; das begann sicherst in der nachrcichschen Zeit zu ändern. Novitätensendungen mit Rc-