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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Konditionssystcm und Nettohandel. Ratlosigkeit der Zeitgenossen. 197

missionsrecht an diejenigen, welche die Messe nicht persönlich besuchten,übte, wie wir sahen, sogar Reich selbst. Wir hörten aber auch schon,daß man besonders hervorhob, Reich, der Typus des Nettohändlers,nehme nichts zurück: der Nettohandel hemmte die weitere Ausdehnungdes Kouditionsverkchrs auch auf diegeschriebene" Bestellung. Es istdeutlich, daß sich so die schärfsten Gegensätze immer sichtbarer ausbildeten:hier der Nettomeßhandel, der keine Change und keine Kondition kannte,dort der Reichshandel ohne Messe, in dem beides vorhanden war.

Erst als Philipp Erasmus Reich die Augen geschlossen hatte, fanddie Berührung der Extreme statt. Merkwürdig berühren uns jetzt dienoch im Ncichschcn Zeitalter austretenden Fälle der Beleuchtung desGegensatzes von reichsbuchhändlerischer Seite aus, in denen die Forderungdes Konditionssystcms für den Leser späterer Zeit fortwährend imHintergründe steht und in den Ergebnissen der Gedankenreihen geradezumit Händen zu greifen ist ohne daß sie doch ausgesprochen wird.In diesem Lichte erscheinen uns z. B. jetzt gewisse Partien der SchwäbischenDefensionsschrift. Ein anderes und besonderes anschauliches Beispiel dafürist einGespräch im Reich der Todten" des Nürnberger BuchhändlersBauer, vom Jahre 1770. Das Büchertauschen, sagt der Verfasser, nimmtvon Jahr zu Jahr ab:so muß nothwendig die Sache eine andere Gestaltgewinnen". Es nimmt ab, weil diejenigen, welche guten Verlag besitzen,kein Äquivalent bekommen können und ihr Lager mit fremdem Sortiment,das sie nicht absetzen können, bereits überfüllt haben. Was stark gebrauchtwird, muß man deshalb mit barem Gelde an sich bringen, und deshalbhaben viele nicht Ursache, eine teure Mcßreise zu unternehmen, sondernkönnen ihre Ware verschicken.Ist dieses nicht ein deutliches Merkmal,daß in der Buchhandlung andere Anstalten gemacht werden müssen?" DerVerfasser sieht die Wurzel alles Übels in der Überproduktion wertloserLittcratur; Bauer denkt dabei in erster Linie an theologische und philo-sophischeSpielereien".Die Freiheit mit dem Bücherdrucken ist einmalbei den Protestanten zu groß!" Sie drucken auch zu große Auflagen;warum immer gleich 1000 Exemplare aber wie? Kann denn derTauschhandel dagegen schützen? Gerade sein Absterben scheint ja aufkleine Auflagen hinzuführen! Denn um des baren Verkaufs willenkönnen oft 300 Exemplare hinlänglich sein. Aber: je niedriger die Auf-lage, desto höher der Preis. Damit gibt man den Anstoß zum Nach-