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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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198 4. Kapitel: Der Durchbruch der neuzeitlichen Organisation.

druck. Wie soll hier geholfen werden? Der einzige Ausweg wäreeinReichsschluß, nach dem sich alle Buchhändler in Teutschland achtenmüßten". Aber darauf ist nicht zu hoffen.Ich weiß nicht mehr, wasich sagen soll." Bauer hat das Bargeschäft angeklagt. Es macht denalten Betrieb des Buchhandels unmöglich.Wenn das Tauschen ausder Mode kommt, dann möchte wohl guter Rath theuer werden." Aberist denn das Tauschen besser? Wenn man auch Vorsicht anwendet,sobekommt man doch überflüssig dergleichen Waare, wenn man zu Hauseden ganzen Kram beisammen sieht. Dieses Vertauschen verdirbt dieganze Sache." Und zehn Seiten weiter heißt es wieder:Eigentlichsoll der Sortements-Buchhandel ein rechtes eomwereium litter^rumsein, welches durch ganz Europa gleichsam wie eine Kette zusamm hänget;und so soll auch das Tauschen beständig fortgehen. Denn so war eszur Zeit der Reformation unter den Gelehrten, die selbst Buchdruckerwaren, eingeführet."

Ein lehrreiches Beispiel für die Ratlosigkeit des Reichsbuchhandelsin der Zeit des vollen Übergangs. Der Tauschhandel ist verderblich,und der Barhandel ist verderblich. EinMittelding" kennt Bauernicht. Eine Änderung der Organisation muß kommen, aber er vermagsie sich nicht vorzustellen. Er sieht die einzige Rettung darin, daß dieÜberproduktion der wertlosen Litteratur beseitigt wird, d. h. der Nordenfür den Süden und der Süden für den Norden brauchbare Litteraturerzeugt und auf dieser Grundlage der alte Tauschhandel festgehaltenwird. Ein Ritt in das alte romantische Land vor dem DreißigjährigenKriege! Und doch liegt in dem merkwürdigen Büchlein voll ehrlicherWidersprüche mehr Tiefe als in fast allen derartigen Schriften jenerZeit. Wenden wir unfern Blick aus der Richtung in die Vergangen-heit in die der Zukunft: war nicht ein wirklicher Ausgleich der Gegen-sätze, wie auch der Leipziger Bürgermeister Born und andere aussprachen,erst von einer ferner» Zeit einer größern literarischen An- und Aus-gleichung zu erwarten, die so den Zustand, den die Zeit vor dem Dreißig-jährigen Kriege gesehen hatte, auf höherer Stufe wiederholte? Ent-weder müssen die Gelehrten selbst Buchhändler werden, oder die Buch-händler selbst müssen gelehrter werden, die Schar der Gelehrten abermuß in beiden Fällen von Zeit zu Zeit vom Staate ausgesiebt werden,sagt Bauer; das wäre die einzige Rettung.^