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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Reformziele.

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Dieser Widerstand gegen den festen Bezug, namentlich bei Zahlungs-rcchnung, ohne daß dabei der so naheliegende Ausweg des Kovditions-bezugs erwähnt wird, findet sich bis zu Ende der Reichschen Periode.Der Buchhändler, der nicht Einsicht, Zeit oder Gelegenheit hat, dieBücher auf ihren Wert zu untersuchen, sagt ein Berliner Schriftstellerim Jahre 1781, ist gezwungen, entweder aufs Geratewohl oder gar nichtzu kaufen. Im ersten Fall wird er bankerott, im zweiten verhungerter, und das erstere ist nicht viel angenehmer als das letztere. Dennwenn ihm die Bücher liegen bleiben, ist er alter Mittel und Wege be-raubt, sie wieder los zu werden.^ In dem Circular einer AugsburgerBuchhandlung aus dem Jahre 1787 heißt es:Wie wollen wir be-stehen, wenn wir alle Meßcn um 10 und mehr Thaler von jedemBuchhändler zur Spekulation auss Lager legen und die andre Meßebezahlen sollen? Dazu gehören Kapitalien, zumal da itzt jeder Zah-luugörcchnung einführt und dann sich wohl in acht nimmt, unsere Artikelaufs Lager zu legen."^

Gerade in dem ersten auf Reichs Tod folgenden Jahre begann dieKonfronticrung des neuen Reichsbuchhandels mit dem alten Leipziger Handel und die Forderung, in den letztern den neuen Gebrauch descrstcrn aufzunehmen. Man kann auch sagen: des alten Reichsbuch-handels mit dem neuen Leipziger Handel. Das Neue am Reichsbuch-handel dem Leipziger Handel gegenüber war das Konditionssystem, dasAlte: das Tauschsystem auf der Grundlage der Vereinigung von Verlagund Sortiment. Das Alte nm Leipziger Handel dem Reichsbuchhandelgegenüber war der feste Bezug, das Neue: der Nettohandel, also dieDifferenzierung von Verlag und Sortiment. Wir sagen: des Reichs-buchhandels mit dem Leipziger Handel. Nicht des Konditionssystemsmit dem System des festen Bezugs. Das Eigentümliche war dies, daßdas reichsbuchhändlcrischc Konditionssystem sich an dem Pfahl der (despersönlichen Meßhandels entbehrenden) Verbindung von Verlag undSortiment des Tauschzeitalters emporgerankt hatte, so daß es mit ihraufs engste zusammenzugehören schien.

Das Ziel, das sich aus der Entwickclung, die wir soeben überblickthaben, unmittelbar ergibt, war nicht das einzige, das die auswärtigenBuchhändler aufstellten. Ein anderes, mit diesem zusammenhängend,