Neuntes Kapitel.
Der Horvath-Göschensche Reformversuch/
Steigende Konkurrenz durch Überproduktion, Übcrfüllung und Wandlung derOrganisation. Widerstand gegen Begründung nener Handlungen, Nicht- und Auch-buchhändlcr, Markt- und Wanderhandcl der Ortsfremden. Rückgang des Bücher-kaufcus, rasches Veralten wissenschaftlicher Littcrcitur. Kuudenrabatt nnd Schlenderet.Unkosten nnd Gewinn im Sortiment. Umsatz und Gewinn. Rcformtricb. Reform-gcdanken und -versuche iu den 1790er Jahrcu. Die Reformjahre 180V—1804.Voßschc Rcformgruppe, Horvaths „Dcliberationspunktc", Nicolais ablehnendeStellung, Reformdeputation, Göschcns „Gedanken" und Palms „Beitrag", dieReformgutachtcn, das Dcpntations-Rcformgutachten, Hemers „Ansprache an dasPublikum", der „Vertrag der Buchhändler".
So bedeutende Leistungen der Buchhandel und die ihm verwandtenGeschäftszweige in der zweiten Hülste des 18. Jahrhunderts in? ganzenentwickelten, so bedeutende Erfolge sie im einzelnen errangen: zu Endedes Jahrhunderts waren weite Kreise im deutschen Buchhandel von einerunruhig-erregten Stimmung beherrscht. Die natürlichen Wirkuugcukriegerischer Zustäudc, vom Westen und Süden her wirkend, machtensich in den ucuuzigcr Jahren bereits empfindlich bemerkbar; danebenstand gerade damals der verschärfte vrcßvolizeiliche Druck deutscher undaußcrdcutschcr Staaten. In den ersten Jahren des neuen Jahrhundertszeigt dann die Leipziger Messe , der Barometer des deutschen Buch-handels, einen allgemein auf dem Buchhandel lastenden Druck. DieOstermcsse 1801 war „eine der schlechtesten, welche je gewesen"unddie letzte Ostcrmeßrclation vor Beginn der Nnpolconischcn Kriege inDeutschland , die Meßrelation von Ostern 1805, berichtet von dem nochimmer zunehmenden Risiko und abnehmenden Gewinn. „Alle, bcy Gott alle, haben auch nicht einen Thalcr eingesammelt. Was noch aus demBuchhandel werden soll, kann ich nicht begreifen!" schreibt ein Jenaer Buch-drucker und Verleger im Frühjahr 1805 über die Michaelismessc 1804.