200 4. Kapitel: Der Durchbruch der neuzeitlichen Organisation.
bezog sich auf die Messe und wurde gleichmäßig von den BuchhändlernNord- und Süddeutschlands , zum Teil von den erstern noch lebhaftererstrebt. Bei dem Wachstum der litterarischen Produktion und derVermehrung der Handlungen waren die Leipziger Ostermessen immerumfänglicher und ihre Geschäfte immer schwieriger geworden. Das Leip-ziger Abrechnungswesen war namentlich für die fremden Buchhändler einewahre Kalamität, und zwar am meisten sllr diejenigen aus Ober- undNiedersachsen , welche nicht nur mit den Leipzigern und den Reichsbuchhänd-lern, sondern auch unter sich abzurechnen hatten, während die Reichs-buchhündler unter sich von Hause aus abrechneten. Die Thätigkeit aufder Leipziger Messe war ja damals — und es blieb noch lange Zeitso — ein wirkliches materielles Büchergeschäft, auch soweit man sichdabei nur der Titel bediente. Die Abrechnung war also mit den Ge-schäften des gegenseitigen Wählens und Schreibens ganz verfilzt undverflochten, und die Schwerfälligkeit des Abrechnens bedeutete zugleichdie Erschwerung und Verschleppung des ganzen Meßgeschäfts. Alsallgemeiner Grundsatz galt von alter Zeit her die Übung, daß diefremden Buchhändler zuerst die Leipziger, dann die größern fremdenHandlungen aufsuchten — man rechnete, daß man damit in der erstenMeßwoche so ziemlich fertig sein konnte —, und daß sie sich dann inihren Gewölben oder Stuben festsetzten, um ihrerseits den Besuch derkleinern fremden Handlungen abzuwarten.^ Das mochte in alten,einfachen Zeiten erträglich gewesen sein. Wie aber jetzt, wo sich dieZahl der Buchhändler, die Zahl der Bücher, die Zahl und, bei demimmer mehr eindringenden Remittendenwesen, die Umständlichkeit derGeschäfte verdoppelt hatte? Es führte ganz naturgemäß zu Zuständen, diedem fremden Buchhändler die Abwickelung der Meßgeschäfte zur wahrenQual und Pein und für den Unbeteiligten, wie die Buchhändler selbstvoll Ärger gestanden, zu einem höchst lächerlichen Schauspiel machte.^Das Verlangen nach einem Versammlungsort in der Ostermesscwar deshalb von den Auswärtigen schon lange empfunden und geäußertworden; mit Sicherheit wissen wir es aus den achtziger Jahren.^ DieVereinfachung des Abrechnungsgeschäfts war aber nicht der einzige Zweck,zu dem man eine Vereinigung ersehnte. Man wünschte zugleich aufdem deutschen Meßplatze eine Vereinigung der deutschen Buchhändlerzu besitzen, um Schäden des deutschen Buchhandels zu besprechen und Re-