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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Reforinziele.

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formen zu beraten. Endlich, und damit rühren wir wieder näher andas sich wandelnde Geschäftswesen selbst, tauchte vor allem bei denReichsbuchhündlern der Wunsch einer vollen Prcisgcbung der Michaelis-messe auf. Der persönliche Besuch der Michaelismesse war zu solcherBedeutungslosigkeit herabgesunken, daß viele erklärten, sie brächte wenigerNutzen als Schaden. Man sendet einen neuen Artikel zur Michaelis- -messe, sagte man; läßt ihn changieren, an Auswärtige, die die Messenicht besuchen, in Paketen versenden; die Zeit ist zu kurz, als daß siezu Hause bis zur Ostermesse bekannt gemacht werden könnten: um dieRechnung zu kürzen, werden die Bücher remittiert, zur Ostermesse nichtwiedergcschrieben, und so sind sie vergessen; man hat nur beiderseitigdie Fracht, die Mühe die Pakete zu machen und wieder abzuschreiben und vergeblich.

Mit der vollbcwußten Gegenüberstellung der beiden Handlungsarten,welche Gegenüberstellung das Zeitalter Reichs noch nicht vollzogen hatte,mit der ausdrücklich und programmatisch von den Auswärtigen gemein-sam gestellten Forderung eines gemeinsamen Abrcchnungslokcils und einerdeutschen Buchhändlerversammlung, mit der aufs schärsste hervortretendenTendenz auf die Ausgestaltung des Kommissions-, insonderheit Ausliefe-rungswesens für den verlangten Bezug zwischen den Messen und dasEingehen der Michaelisinesse treten wir in einen neuen, vom vorher-gehenden deutlich geschiedenen Zeitabschnitt der Geschichte unseres Buch-handels ein. Während in dem vorigen, in dem sich die beiden Hand-lungsarten zu ihrer vollen Reife erst bildeten, die gegensätzlichen Interessengleichsam blind gegeneinander anrannten, beginnt jetzt eine Zeit, in derman nicht mehr bloß auf beiden Seiten seine Interessen mit einseitigenGewaltmitteln behauptete und durchsetzte, sondern die Notwendigkeit denganzen deutschen Buchhandel umfassender organisatorischer Reformendringend empfand, fest ins Auge faßte und in immer umfassendererWeise zur Sprache brachte und ins Werl zu setzen suchte. Diese Jahre,nicht die des Neichschen Zeitalters, sind mit ihren Forderungen undVerhandlungen der Fußpunkt der Resormgcschichte des deutschen Buch-handels, die bis unmittelbar in unsere Gegenwart reicht.

Genau wie mit dem Glockcnschlagc beginnt das Auftreten der aus-wärtigen Buchhändler mit ihren verschiedenen Vorschlägen und Forderungenin der ersten Messe nach Reichs Tode, der Ostermesse 1788. Es