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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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202 4. Kapitel: Der Durchbruch der ueuzeitlicheu Organisation,

begann mit dem Vorschlag der Aufhebung der Michaelismesse, und zwarin der Verquickung mit dem einer Festlegung der Ostermesse, die künftigam 25. Mai oder 1. Juni beginnen sollte. Man wünschte mit andernWorten nur Eine Messe, und zwar zu bequemerer Jahreszeit und nichtwandelbarem Termin. Als die Vorteile, die man durch die Verlegungder Ostermcssc erreichen wollte, zählte das von der Jubilatemesse 1788datierte Circular auf, daß man so mehr Zeit zur Inventur des Lagersund der Vorbereitung zur Messe gewinne, besseres Reisewetter und bessereWege, damit seine Gesundheit mehr schone, und billigere Frachten; daß,weil in der bessern Jahreszeit jeder seine Güter rechtzeitig zur Stellehaben und zu dem spätern Termine in den Druckereien mehr fertigge-stellt werden könnte, weniger rcstgeschriebcn werden würde, daß die Fremdensich zahlreicher einstellen würden, vielleicht mehrere aus der Schweiz odergar aus Frankreich und Italien , endlich daß man um diese Zeit, weilwährend der allgemeinen Messe alle Lokale stark beansprucht wären,leichter eine Börse mieten könnte; der Wegfall der Michaelis- oderPakctmcssc" aber wikde die Remittendcn vermindern.

Das Circular fand, was die Verlegung der Ostermcssc betraf, reich-lichen Widerspruch, der an dem Schweizer Anonymus Hr in Z eincnseiner Wortführer fand.^ Der Hauptcinwand bestand, wie auf derHcmd liegt, darin, daß die Buchhündlermesse an die allgemeine Messegebunden sei.^" Nicht nur, daß, wenn die Buchhändlermesse von der all-gemeinen Messe getrennt wurde, in vielen Fällen auch die Pcrsonenbeför-dcrung schwieriger wurde: sondern vor altem war ja das ganze Fracht-wcsen mit der Hauptmesse verknüpft. Dazu kam, daß außcr der Mcßzeitauch die Eingangsgcbühren der Güter höhere waren. Wie im Fracht-wesen, so war die Buchhündlermesse im Geld- und Wechselwesen an dieHauptmessc gcbundcu. Das Einkassieren von Geldern und Wechseln mußteaußer der Meßzcit schwieriger, oft unmöglich werden. Und diese Abhängig-keit von der allgemeinen Messe zeigte sich noch in manchen andern Punkten.Man konnte so manche Geschäfte für Fremde nicht besorgen, man büßteden Verkehr mit zur Messe kommenden Gelehrten und Freunden ein.Es war zu bedenken, daß die Papierhcindlcr und Buchdrucker auch wegenanderer, nicht buchhändlcrischer Geschäfte zur Messe kamen; sollten siejetzt beide Messen besuchen? Es war auch die Frage, ob es außer derallgemeinen Messe nicht einem und dein andern an Platz fehlen würde;