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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Verlegung und Festlegung der Osterinesse. Abschaffung der Michaclismesse. 20Z

denn für die Zeit außer der Messe waren zahlreiche Stuben und Gewölbeim Buchhändlerviertel anderweit vermietet. Neben diesen Gründen, dieallein hinreichend waren, die Hinfälligkeit des Projektes darzuthun,wurden noch so manche andere beigebracht. Hr erklärte, die Schweizer kämen auch jetzt schon alle; Italiener und Franzosen aber würden dieMesse nie besuchen, weil sie keinen Sortimentshcmdcl kennten. Von andernwurde geltend gemacht, der Gegensatz zwischen den kalten Leipziger Ge-wölben und der heißen Sommertempcratur sei gesundheitsschädlich, Kur-fürst und Magistrat würden die Verlegung vielleicht nicht gestatten, dasReisewetter sei ja stets zufällig u. s. w.; Svener aus Berlin brachtevor, er würde durch die auf später verlegte Messe in seinen Sommer-vergnügungen beeinträchtigt werden.

Der zweite Vorschlag bestand in dem gänzlichen Wegfalle derMichaelis- oder Paketmessc. Die Begründung bestand darin, daß sichdann die Remittcnden bedeutend vermindern müßten. Man ist zunächstdarüber erstaunt; mußten bei dem gänzlichen Eingehen des persönlichenMeßbesuchs sich die Novitätcnsendungen nicht noch vermehren? DerGedanke, der damals so stark wirksam zu werden begann, und besondersim Reiche, muß offenbar ergänzt werden, daß gleichzeitig die unver-langte Sendung des Verlegers zu Gunsten der verlangten des Sorti-menters eingeschränkt werden mußte. In der That sah man das Mittel,dem Vorschlag Geltung zu verschaffen, darin, zur Michaclismesse keine neuenArtikel mehr einzusenden, ja womöglich zu drucken; so mußte sie all-mählich absterben. Deutlich führt dieser Vorschlag mit den Einwendungen,die dagegen erhoben wurden, in die Entwickelung des buchhändlerischcnGeschäftswesens, wie sie damals im Gange war, ein. Der Gedankedes Wegfalls der Michaclismesse, sagte Hr in Z, wäre an sich aller-dings gut. Wenn alles durch Korrespondenz erledigt würde, so kostetedas weniger als die Reise nach und der Aufenthalt in Leipzig . Nurdürsten die Leipziger keinen zu hohen Gewinn auf das Sortiment schlagen,das sie ihren Kommissionshaudlungen zwischen den Messen verschafften.Die Einrichtung müßte in der Weise getroffen werden: daß das Waren-lager nach jeder Osterinesse inventicrt uud einem Kommissionär über-geben würde, der dann auf Briefe und Zettel hin auslieferte. Auf dernächsten Ostermcsse wird das Lager revidiert: was nicht mehr vorhandenist, wird im Inventar abgeschrieben und nach Abzug der Provision vom