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seits der Gedanke: das hätte auch dir passieren können.Die Sammlungen nach dem Brand des Wiener Theatersbrachten bekanntlich so viel auf, daß man in Versuchungkam, die entferntesten Verwandten der Opfer damit aus-zustatten.
Das Zuvielgeben hat nicht nur in dem Massengebenseine Gefahr, auch in dem wohlbedachten Geschenk desEinen an den Andern lauern Klippen. Ein süddeutschesVolkssprichwort sagt: Zu viel Ehr' ist eine halbe Schand',nnd der Dichter führt das aus mit den Worten:
IIn ssrviee kii-öessus äs toutö rseomxgllSök kores ä'odlixsr tivut xrssyns lisii ä'oiksiisö.
Man darf den Empfänger nicht unter der Wucht des Wohl-wollens erdrücken. Auch zu viel Dank ist eine Quelle vonUndank.
Die deutsche Sprache ist von den großen europäischenuebst der griechischen die einzige, welche ein besonderes Zeit-wort für Schenken hat. Die Lateiner wie die Romanengebrauchen dafür nur das Wort Geben, wogegen es anSubstantiven nicht fehlt, wie xrsssut, <zg,6sa.u, rsZg.1 u. a. m.Die Deutschen haben die Bezeichnung für die Freigebigkeitvon ihrem Liebliugsgeschäft, dem Trinken, hergenommen.Schenken ist dasselbe wie Einschenken, der ältesten undNächstliegenden Art der Altvordern, einen Liebesdienst zuerweisen. Der Stamm des Wortes ist das ausgehöhlteBein, sesonea, welches als Laufrohr am Faß diente, wo-von das Zeitwort sesnoan, einschenken (derselbe Stamm istin Schenkel und in Schinken). Im alten Französischenkommt, dem nachgebildet, das Wort oliiri^sr vor, gleich-bedeutend mit Zechen, ohne Zweifel durch die deutschenrsitrss eingebürgert, wie triiKznsr, Zutrinken, und im^VisäsrLorQs, ein Humpen. Auch Noks-nson, der Mund-schenk, kommt aus dem Deutschen.