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lich in der Amtssprache als nicht geschuldete, freiwilligeGeschenke bezeichnet, ckons Aratnirs — ein Beweis, wieBotmäßigkeit und Schenken zusammengehen. Auf diesemGebiet des Tributgebens verdiente die Besonderheit desGeldschenkens eine eigene Betrachtung. Aber sie würdeuns zu sehr in die Breite führen, und einen großen Ab-schnitt daraus hat überdies Jhering in seiner Studie überdie Trinkgelder behandelt. Auch hier gilt die Regel desLebens, daß, was im kleinen herabdrückt, im großen ehrt,wie der Unterschied vom Einstecken silberner Löffel undganzer Länder bekanntlich lehrt. Eine ansehnliche Bezah-lung heißt Honorar, und viele Hunderttausende, als Ge-schenk überreicht, werden zur glänzenden Huldigung. Aberdennoch steckt in der Annahme von Geld wieder so sehr dieGefahr des Abhängigerscheinens, daß auch der Höchstgestellteeine Million nicht von einem benannten Lebenden, sondernnur von ungenannten Vielen annehmen könnte. Das Ano-nymat entbindet von Dank und Abhängigkeitsgefühl. I/in-Ars,t.itn6ö sst 1'indszzsii6.g,riek clu evöri.r. Eine große Er-leichterung für zartes Geldschenken hat die moderne Erfin-dung des Papiergeldes verschafft, welche von der plumpenDarreichung des schweren Metalls entbindet. Talleyrand erbat sich eines Abends die Erlaubnis, der Sängerin Da-moreau - Cinthie die Locken aufwickeln zu dürfen. Als siedes Morgens ihre Papilloten löste, waren es lauter Bank-noten von tausend Franken.
Merkwürdig ist, wie verschieden die verschiedenen Be-weggründe zum wohlthätige» Schenken wirken. Dauerndesstilles Elend regt lange nicht so sehr zur Freigebigkeit an,wie einmalige große Katastrophen. Überschwemmt oder ver-brannt zu werden, ist beinahe ein vorteilhaftes Geschäft.Zwei Umstände wirken hier zusammen: einerseits die Dank-barkeit des Publikums für die genossene Sensation, anderer-