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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
Entstehung
Seite
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Ich habe einen alten Bekannten. Er gehört zu den-jenigen, denen es Gesundheitsbedürfnis ist, sich zu entrüsten,nicht um Bismarcks willen von wegen etwa eines abge-lehnten zweiten Büreaudirektors, sondern aus ehrlichem,demokratischem Gemütfür Freiheit und Recht". Von Zeitzu Zeit besucht er mich. Mit finsterer Miene tritt er einund sieht mich an, als wäre ich an allem schuld. Dannentwickelt sich folgender Dialog:

Er: Nuu, was sagen Sie jetzt?

Ich: Was soll ich sagen?

Er: Soll das alles so weiter gehen?

Ich: Wissen Sie ein Mittel dagegen?

Er: Das Mittel will ich von Ihnen hören. Sie sindein Mann in öffentlicher Stellung.

Ich: Glauben Sie mir, wenn ich es wüßte, wüßtenSie's auch.

Er.(immer zorniger): Also muß man es aushalten?Ich: Mir scheint's; es ist wohl auch von jeher in derWelt nicht viel besser gewesen.Er: Ist das Ihre Ansicht?

Ich: Ganz gewiß. Wir sahen's nur für andere Zeitennicht so in der Nähe.

Er: Und soll man nichts thun, um's zu bessern?

Ich: O sicherlich.

Er: Was denn?

Ich: Man soll sich wehren.

Er: Das thu' ich jetzt schon mein Leben lang.

Ich: Und dabei sind Sie alt geworden und befindensich wohl.

Er: Wenn aber das Wehren nicht hilft?Ich: Es hilft doch Ihrer Gesundheit, und die ist dieHauptsache.

Er? Und Besseres wissen Sie mir nicht zu sagen?