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hat man auf den Thronen und in ihrer Nähe so deutlichgefühlt, daß die Neigung, einen Ausgleich mit diesem Prä-tendenten auf Kosten der besitzenden Klassen zu finden,immer stärker wird. Ist das Weisheit oder Irrtum? —Frage an die Sterne! Der alte Sir Francis Bacon sagteinmal: „In der menschlichen Natur steckt im ganzen mehrvom Narren als vom Weisen, und darum haben diejenigenKräfte, welche auf den närrischen Teil des menschlichenSinnes wirken, auch am meisten Gewalt über ihn."
Nachdem einmal der Grundsatz der allgemeinen Volks-bildung (bei uns sogar der Zwang zur höheren Fortbil-dung), des allgemeinen Heerdienstes und damit des allge-meinen Wahlrechts zum Grundgesetz der Staatsfunktioneugemacht ist, wird es immer klarer, daß das Rätsel derMöglichkeit eines sozialistischen Staates immer mehr Massenan sich heranziehen muß. Das Experiment ist im Weiter-schreiten. Nur die engste Ausfassung kann sich auf denPlan verlegen, hier mit Strafmitteln oder Polizei Einhaltzu thun. Selbst ein so großer, überzeugter und bis dahinoptimistischer Individualist wie Herbert Spencer hat un-längst in einem Brief den Ausspruch gethan: „Ein bösesWetter wütet durch die ganze Welt. Nach meiner Ansichtkommt der Sozialismus unausbleiblich. Er wird das größteUnglück sein, das je die Welt über sich ergehen sah." Dochauch er kann sich irren.
Eins ist bei allem Fürchten und Hoffen auf diesenWegen vor Mißverständnis zu retten. Die Angst vor dem,was man im Jahre 1848 das rote Gespenst nannte, hatmit dem Ernst der Frage an die Zukunft nichts gemein.Wohl stört sie noch die Bewohner der Paläste und den be-häbigen Bürger viel mehr im Schlaf als die Theorien dersozialen Frage. Aber die Unruhe der Großen und Kleinenbeweist nichts. Sie sehen hier, wie in vielem anderen,