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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
Entstehung
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die Sterne, in denen das geschrieben steht, geben uns wohl-weislich keine Antwort ans die Frage, wie es ausfallen wird.Sie behalten sich vor, uns oder vielmehr unsere Nachkommenmit der Lösung zu überraschen, in einer Weise und an einerStelle, die kein Lebender ahnt, ähnlich so, wie sie es mitden Vorgängern gemacht haben. Sie haben Zeit vor sich,die Sterne, mehr als die kurze Spanne jener Menschen-leben, wegen derer man früher sie zu Rate zog. ImStilleu denkt jetzt mancher: wohl dir, daß du kein Enkelbist! Aber ganz ernst ist es ihm damit doch nicht. Hingees von ihm ab, die Nengier hielte ihn doch immer wiedervom letzten Schritt zurück, damit er einst noch erfahre, wasaus all dem werden muß. Das Glück ist ein so fraglichDing, das Leben schon schön, wenn es nur interessant ist.Wer möchte nicht gar so gerne wissen, wie es auf diesertollen Erde aussehen wird in Hunderten von Jahren, wennselbst seine Asche nicht mehr davon bewegt wird!

Jüngst, ehe der Reichstag das alte Haus verließ, iudem ich ein Vierteljahrhundert mit ihm geliebt, gelitten undgestritten (viel weniger gehaßt, als der Vulgus meint), gingich noch einmal in die bescheidene Wandelhalle, die zumRednersaal führt, von ihr Abschied zu nehmen, auf Nimmer-wiedersehen. Und es blickten von den Wänden rings um-her die Bilder volkstümlicher, freisinnniger Männer, dieBilder von Schiller, Uhland, Pfitzer, Humboldt, Arndt,Stein, Scharnhorst, Mathy, Dahlmann, Fichte, mit ihrenKernsprüchen verziert, ans mich wehmütig herab. Das warder Schmuck im Geiste des Jahres 1870. Dann ging ichvon dieser stillen Stätte mit ihren bürgerlichen Namen undReden hinüber zu jenem Prachtbau, in dem mir zahlloseWappen, Untiere mit Kronen, Schnäbelu und Krallen ent-gegengrinsten, dazu geharnischte Ritter mit offenem undgeschlossenem Visier, Lanzen und Schwertern und Namen