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manches, Schlimmeres oder Besseres, aus verwandten Ge-genden anzuführen. Zum Beispiel, warum gehört es inDeutschland zu den seltenen Ausnahmen, daß auf eine er-wiesene Aufmerksamkeit, Gefälligkeit, ja mühevolle Dienst-leistung ein dankendes Echo zurückschallt? Ich habe darindie närrischsten Erfahrungen gemacht, namentlich in demersten Jahrzehnt meiner öffentlichen Laufbahn, da ich nochnaiver war als später. (Wer kaun sagen, daß er nichtmehr naiv ist?) Erst allmählich gewöhnte ich mir ab, zuantworten, wenn ich von einem mir gänzlich unbekanntenFamilienvater eine vertrauliche Anfrage bekam, z. B. wieich ihm rate, seines Sohnes Ausbildung zu leuken, oder seinVermögen anzulegen, uud hundert ähnliche Dinge. Aufeinen gewissenhaften Bescheid ging in der Regel nicht dieeinfachste Empfangsbescheinigung ein. Der am Fuße desBriefes ausgedrückte „Dank im Voraus" hatte Alles ge-regelt. Merkwürdig ist, daß unter den Charakterzügen derGermanen schon Taeitus diesen hervorhebt: Zauäsnt rnuns-ridns, ssck nse cts-ts, iinzzutant nsv aczesxtis odliAantru'.Von Zeit zu Zeit, in ganz besonders verlockeuden Fällenreizt es mich noch immer, wieder einmal ein Experimentanzustellen, ob vielleicht ein Fortschritt zu konstatieren seinmochte. Leider bis jetzt ohne Erfolg! Meine zwei letztenVersuche wurden bei folgendem Anlaß gemacht. Kurz nach-einander wandten sich zwei Personen, jede in ansehnlicherStellung, der eine sogar eine Berühmtheit, an mich mit derBitte, ihnen den Wert einer bestimmten Art und ZahlGeldstücke älterer Zeit aus heutige» Wert umzurechnen. DieSache ist nicht einfach. Man muß viel uachschlagen undrechnen. In beiden Fällen ließ ich mich zum Experimentverführen und gab sorgfältigen Bescheid. Mein Vertrauenauf Meister Stephans Apparat ist so groß, daß ich sicherbin, die beiden Herren haben meinen Brief erhalten. Aber