VII.
Ußer öas Alter.
i.
Einstmals trat ich bei einer Freundin zum Besucheein und fand sie in verdrießlicher Stimmung. Auf dieFrage nach der Ursache gestand sie: „Sie haben recht, ichzürne mir — das ist ja der bestberechtigte Grund, ver-stimmt zu sein, denn nur über seine eigenen Fehler, nichtüber die der anderen soll man sich grämen — ich habesoeben etwas sehr Dummes gethan. Frau N., Sie wissenja, die langweilige, schwerfällige, hat mir zwei Stundenlang auf dem Halse gesessen. In der ersten' Stunde hab'ich mich noch durchgequält mit dem alltäglichen Klatsch,aber in der zweiten wußt' ich gar nichts mehr zu sagen,und in der Verzweiflung hab' ich ihr alle meine Geheimnisseerzählt!"
So geht mirs nach der Hand mit dem Brauche, aufden ich mich eingelasfen habe, alljährlich hier mit einerWeihnachtsgabe zu erscheinen. Mir ist bang, meine Cha-rakterschwäche, die es mir schwer macht, eine freundlicheBitte abzuschlagen, verleitet mich zu demselben Fehler, dessensich obenerwähnte Dame bezichtigte, und ich thäte besser,mich des Meisters zu erinnern, der mich vor langen Jahren