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1 (1898) Studien und Meditationen aus 35 Jahren
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frivoler Weltling die unter Maximilian Joseph beseitigtegeistliche Oberherrschaft wieder einsetzte; wie Leopold vonToscana sogar ein ehemaliger Lichtfreund die Erb-schaft Josephs II. dem Klerus und der Aristokratie Miederin die Hände lieferte; wie endlich Friedrich Wilhelm H.mit seinen Wöllner und Bischofswerder auf dem GrabeFriedrichs des Großen seinen Sabbath aufführte. ÜberallDunkelmänner mit der unzertrennlichen Maitressen- undLuxuswirtschaft als die instinktive Rückwirkung des Mo-narchismus gegen sich selbst, insofern er in den freigeisterischeuFürsten seiner Natur untreu geworden war.

Unser Karl Friedrich (von Erthal) jedoch hatte zumDespoten und Obskuranten kein rechtes Talent. Ob er auchdamit begonnen, sich in süßliche Andächtelei zu hüllen, undeine kurze Periode von mystischer Sentimentalität ein-zuleiten!, während welcher die Hofsitte den Ton zu gott-verzückter Brünstelei zwischen Pfäfflein und Betschwesternangab, so dauerte es doch nicht lange, und es schlug derWind von oben um. Die Triebfedern des jetzigen Fürsten waren andere als die seines Vorgängers. Lebsucht undPolitik zogen ihn aus den Armen der finstern Orthodoxie.Er liebte Prunk, Jagd, Weiber und, zur Vervollständigungdes Zeitbildes, freie Lektüre aller Art. Heinse, der Ver-fasser des Ardinghello, war fein Vorleser. Die Favoritin,Frau von Coudenhoven, rezitierte ihm die ?nosUs ä'OrlsZ.nsund die I^sttrss?srLairss. Dies verhinderte nicht, daß inden Reihen der Geistlichkeit die gleichgültigsten Ketzereienblutig verfolgt wurden, während derselben Zeit, daß derKurfürst den Plan in Ausführung setzte, Mainz zu einerimposanten Universität umzuschaffen. Der früher wegenseiner Freisinnigkeit verabschiedete Benzel ward zurückberufenund zum Kurator der Hochschule ernannt, Berühmtheitenwurden aus ganz Deutschland herbeigezogen, darunter zahl-